Angst hat eine Farbe: Braun!

Verfolgt man aktuell die Presse, schaut sich Talkshows im Fernsehen an oder vernimmt die Volksreden diverser Volksredner, erhält man den Eindruck, dass sich Deutschland kurz vor dem Kollaps befindet, dieses Land ins Chaos stürzt und mindestens jede dritte halbwegs noch aktive Frau vergewaltigt werden wird.

Ist dem so? In die Reihen der selbsternannten Experten reihen sich mittler Weile auch die Vertreter der Polizei ein und beteiligen sich fleissig mit düsteren Vorausahnungen an der Debatte. Letzteren ist dieses nicht einmal im Ansatz zu verübeln, desto dunkler die Prognose, um so besser die Lobby und der damit verbundene zukünftige Stellenplan.

Ich finde es lohnt sich ein Rückblick. Als Ankerpunkt lege ich einmal das Jahr 1980 fest. Die Bundesrepublik Deutschland mit einer gut abgesicherten Flanke zum Ostblock, West-Berlin als Insel. Die DDR ebenso abgeschottet, mit einer sozialistischen Betrachtung der Kriminalität. In den deutschen „Großstädten“, im Vergleich zu anderen Städten in Mitteleuropa eher beschauliche Städte mit den üblichen Hotspots.

Die richtig „böse“ Kriminalität fand wo anders statt. Palermo, Marseille, Paris oder Amsterdam, waren die Sümpfe. Über den großen Teich hinaus wurde es noch schlimmer. Miami, Kolumbien, Cuba. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass mich 1984 der Busfahrer eines Sightseeing Busses im Marseiller Hafenviertel aus Sicherheitsgründen nicht heraus lassen wollte.

Bis 1989 war die Welt quasi in Ordnung. Die RAF war überstanden, die Rechten tobten sich mit der Wehrsportgruppe Hoffmann und der Viking Jugend im Wald aus, ab und wann prügelte sich die Polizei auf der freien Heide mit den Linken.

Jetzt änderte sich alles. Der Ostblock entdeckte Deutschland als ein Land mit fantastischen Standortfaktoren. Polnische Autoschieberbanden, Russische Oligarchen, jede Menge Investitionsgebiete für die Camorra/Mafia, Amerikanische Kartelle, Vietnamesische Banden, Bulgaren Mafia, Jugoslawische Banden, Waffen- u. Drogenhändler aus dem Nahen Osten, selbst die Triaden und Yakuza witterten Beute. Alle trafen auf ideale Bedingungen. Eine eher rückständige Gesetzgebung zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, eine liberale Justiz, ausgebuffte Rechtsanwälte, perfekte Voraussetzungen für Geldwäsche und Transfer und eine eher antiquitierte Polizeistruktur, die zuvor schon Allierte und Nachbarländer wie Italien zur Verzweiflung gebracht hatte.

Aber wir reden von Deutschland! Es kann nicht sein, was nicht sein darf! Jahrzehntelang wurde diskutiert, was denn nun eigentlich die Organisierte Kriminalität wäre. Immerhin bräuchte man ja erst einmal eine Definition. Hat man diese, könne man sich einmal gesetzlich Gedanken darüber machen. Der BND witterte Oberwasser, bot sich zügig an, der Polizei -namentlich dem BKA- Unterstützung anzubieten. Andere schrien auf. Gesetzliche Regelungen würden ja nun nicht nur diese Strukturen treffen, die eine oder andere Institution der Bundesrepublik würde ja immerhin auch etwas von dem Kuchen abbekommen, immerhin habe man ja auch ein wenig Offshorebanking betrieben und sein Geld auf den Cayman’s oder Isle of Man. Da wäre dann noch dieses mühsam fein gewobene Netz der Nachrichtendienste und der Wirtschaft. Wie schützt man die Narkodollarströme, Drogen- und Waffentransporte im Auftrag der Dienste zum Zwecke der politischen Anwendung. Waffen für Syrien und Zentralafrika, U-Boote für Israel, Drogen zur Destabilisierung des alten Feindes Rußland usw..? Zugeständnisse an Arafat, an die Mudschahedin, Südafrika und Unterstützungen für die USA. Alles nicht so einfach und noch schwieriger es alles zu verbergen.

Die Lösung ist eigentlich recht einfach. Man bekämpft immer gerade nur den, der sich öffentlich zeigt! Denn wer Öffentlichkeit erzeugt, beschädigt das Sicherheitsgefühl des Deutschen Bürgers. Anfang der 90ziger Jahre machten die Vietnamesen zum Beispiel einen taktischen Fehler. Sie erschossen in Berlin einige Landsleute und legten diese demonstrativ an einem Bahndamm ab. Ihr Ziel bestand darin, für andere Landsleute ein Signal zu setzen. Damit störten sie aber das System, die Bevölkerung war verunsichert. Beim LKA Berlin wurde flugs eine ErGr Vietnam gegründet, denn vorher gab es ja keine Organisierte Kriminalität durch Vietnamesen, jedenfalls nicht offiziell.

Nach einigen Ermittlungserfolgen merkten die Führungskräfte der Asiaten, dass da etwas schief lief. Während andere Gruppierungen um sie herum in Ruhe gelassen wurden, wurden sie mit allen Spezialeinheiten konfrontriert. Sie merkten, dass es wesentlich effizienter ist, die Familienangehörigen von Abtrünnigen direkt in Vietnam zu bedrohen, als die Sache in Deutschland auszutragen. Das LKA verbuchte dieses als Erfolg und konnte die Ermittlungsgruppe wieder einstellen.

Diese Spiegelfechtereien haben immer funktioniert, was nicht sichtbar ist, interessiert die Bevölkerung nicht. Das Unsichtbare produziert zwar jeden Tag einen erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden und gefährdet so wie eine Blutvergiftung den Demokratischen Organismus, aber ist eben nicht sichtbar.

Diese Taktik hat jedoch auf Dauer einen Haken. Sie funktioniert nur bis zu einer gewissen Quantität. Es ist absolut unlogisch anzunehmen, dass die Weltbevölkerung stetig steigt, die Welt kleiner wird, die Völker sich immer mehr ausbreiten und gleichzeitig aber die Kriminalität sich nicht im gleichen Zuge ausbreitet. Ebenso kann diese Taktik nicht im Falle von Terrorismus angewendet werden. Denn ein Terrorist wird niemals auf Dauer im Dunkeln agieren, er will sich zeigen. Die Folge ist, dass die Bevölkerung im höhsten Maße beunruhigt ist. Sie will weiterhin in der Illusion leben, dass die Sicherheitsbehörden nur genug Maßnahmen ergreifen müssen und schon wird jeder Terroranschlag verhindert. Kommt es doch zum Anschlag, wird den Sicherheitsbehörden Versagen unterstellt. Letztmalig haben wir dieses in einem Nachbarland verfolgen dürfen. Mehrfach wurde den französischen Sicherheitsbehörden ein Versagen unterstellt, denn sie kannten ja immerhin die Täter schon vorher. Und? Das Äußern von radikalen religiösen Gedankengut ist eben in Demokratien nicht strafbar. Die Anzahl derer, die dieses tun, ist so zahlreich, dass eine notwendige 24 Stündige Überwachung alle Möglichkeiten der Sicherheitsbehörden sprengt.

Die Bevölkerung macht auch schnell das Problem aus. Der unkontrollierte Zustrom von Flüchtlingen, bringt auch Terroristen mit sich. Kontrolliert man die Grenzen, ist die steigende Terrorgefahr gebannt. Aus mehreren Gründen ist die Anzahl der grenzüberschreitenden Flüchtlinge vollkommen irrelevant. Die Terrororganisationen haben ein bekanntes Ziel: Der Anschlag! Ich kann in nahezu jedes Land in irgendeiner Form einreisen, im Zweifel als Tourist. Wie diese Person in das Land einreist ist vollkommen unerheblich. Es ist auch unerheblich, ob es sich um einen oder mehrere Täter handelt. Da wir nicht bei der Stunde Null anfangen, wird diese Person auf Symphatisanten treffen, die sich bereits im Land befinden. Asylanten in Heimen sind für einen Terroristen eher ungeeignete Partner. Sie können keine Waffen organisieren, verfügen über keine Geldmittel und befinden sich in einem Umfeld einer unkalkulierbaren Anzahl von Verrätern. Einzig das Verstecken innerhalb der Menge wäre eine Option für den künftigen Attentäter, trotzdem wird er Kontakt aufnehmen müssen.

Aber nun gibt es ja nicht nur den Terrorismus. Den Flüchtlingen werden ja auch so ziemlich alle anderen Straftaten unterstellt. Antanzen, sexuelle Übergriffe, Ladendiebstahl, Einbruchsdiebstähle, Drogenhandel pp.. Mit Sicherheit wird es diese Straftaten zum Teil gegeben haben. Viele werden nicht von Flüchtlingen begangen worden sein. Mit Sicherheit wird es einen Anstieg dieser Straftaten geben. Aber es sei die Frage erlaubt: Was haben wir erwartet? Haben wir wirklich erwartet, dass um uns herum sich die Welt verändert und wir im Dorf der Glückseligen leben bleiben?

Haben wir gedacht, dass um uns herum das Leben tobt und wir bleiben auf Dauer verschont? Sind wir Deutschen denn tatsächlich so naiv? Das platte Land wird vermutlich von vielen verschont bleiben. Aber unsere Städte werden schlicht und ergreifend den gleichen Entwicklungsprozess durchlaufen, wie alle anderen Städte es auch getan haben. Wenn wir vernünftige Gegenmaßnahmen ergreifen wollen, müssen wir aufhören zu jammern und auf die Flüchtlinge schimpfen. Wir müssen andere Großstädte fragen. Wie ist es Euch ergangen?

Der ermordete italienische Untersuchungsrichter Falcone endet in einem seiner Bücher mit der trügerischen Hoffnung, dass andere Länder von Italien lernen können. Leider hat ihm niemand zu gehört. Wir werden uns mit den Theorien eines Saul D. Alinsky‘ s auseinandersetzen müssen. Die Bildung von Parallelgesellschaften ist nicht zu verhindern, genauso wenig wie ethnische Ghettos abgewehrt werden können. Aber wir können diese Gesellschaften und die Ghettos stabilisieren. Wir können versuchen die Kriminalität einzudämmen und gesellschaftliche Kräfte zu mobilisieren, die weitere Auswüchse verhindern. Es kann der Versuch unternommen werden, den kriminellen Output zu vermindern und den Gangs das Wasser abzugraben.

Aber all dieses wird nicht passieren, wenn seitens der Politik weiterhin versucht wird darzustellen, dass wir schon alles in den Griff bekommen, wenn wir nur genügend Polizisten einstellen, die Grenzen kontrollieren und große Teile integrieren. Meiner Auffassung nach, kann nur eine schonungslose Bestandsaufnahme helfen.

“This is the world as it is. This is where you start.”
― Saul D. Alinsky

Der Flüchtlingsstrom an sich kann nicht aufgehalten werden. Es werden nicht weniger werden, im Gegenteil, es werden sich auch noch andere Länder auf den Weg machen. Menschliche Massenbewegungen lassen sich nicht stoppen. Die sog. Fluchtursachen lassen sich nicht, selbst wenn man den Willen dazu hat, kurz- oder mittelfristig beheben. Und wenn wir versuchen diesen Strom zu stoppen, werden wir die Bilder aus dem Film ertragen müssen. Wollen wir das?

Ich persönlich habe weder Angst vor Islamisierung, noch vor der Kriminalität durch Flüchtlinge, hier werden sich Wege finden. Wovor ich Angst habe, dass eine ehemalige DDR – Bevölkerung aufgrund der sozialistischen Diktatur Lügen in der Vergangenheit dem Irrtum erliegen, dass man mit einer starken totalitär agierenden Regierung diesen Zukunftsaufgaben begegnen könne. Mir bereitet Sorge, dass selbst ein Mittelstand dazu bereit ist, Forderungen aufzustellen, die nur noch als inhuman und totalitär zu bezeichnen sind.

Alleine die Begriffswahl gibt eine Menge Aufschluss darüber, wie wenig sich die Deutsche Gesellschaft von der NS Zeit entfernt hat. Goebbels verwendete erstmalig in seinen Reden die Begriffe Volksverräter und Lügenpresse. Später hingen Plakate mit dem Slogan „Wer beim Juden kauft, ist ein Volksverräter. Volksverräter gehören an die Wand.“ in Deutschland an der Wand.

Auch der Begriff „Überfremdung“ wurde einst durch Goebbels populär gemacht, verschwand über Jahre hinweg und wurde ab den 60ziger Jahren wieder von der NPD in die politische Diskussion wieder eingeführt.

Es schmerzt bisweilen den Rednern der PEGIDA Veranstaltungen zuzuhören, aber in Hinblick auf unsere Zukunft sollte man es dann doch ab- und wann mal tun. Hören wir doch mal dem Mitglied der Partei „die Freiheit“, nebenbei ehemaliger Pressesprecher der CSU München zu:

 

„Den Lügen Journalisten wird das freche Maul gestopft werden!“ Dieses ist dann mal ein Originalzitat von Herrn Dr. Goebbels.

Und das nachfolgende Beispiel nenne ich mal das erfolgreiche Aufpeitschen einer Menschenmenge:

Man beachte die Worte: „Dann wird ausgemistet!“, Volksverräter und Lumpenpack. Besonders bemerkenswert fand ich auch die Aktion eines Erzgebirgers anläßlich einer PEGIDA Demo. galgenEr wurde später interviewt und äußerte sich sinngemäß, dass er als Ehemann einer Ukrainerin nicht ausländerfeindlich ist. Seinen Galgen sah er nur als Symbol.

Niemand der genannten Personen stellt einen Goebbels dar oder soll gar mit diesem verglichen werden. Aber die benutzten rhetorischen Mittel sind dem Repertoire der Nazis entlehnt und erschreckender Weise zeigen sie Wirkung. Auf der Strasse herrscht nicht mehr die politische Auseinandersetzung, sondern nur noch Populismus und Propaganda.

Das macht mir Sorge!

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2 Kommentare zu „Angst hat eine Farbe: Braun!“

  1. So, und nun übergießt ihn mit euren „social credits“, klopft ihm die Schulter wund und überseht geflissentlich, daß auch dieser Kämpfer für die selbsternannte, moralisch überlegene Herrenrasse heute Morgen, nach Kaffee und der ersten Gauloises, einen tiefbraunen „Neger“ abgeseilt hat und das, “ … in der Nachfolge des industriellen Massenmords an den Juden.“

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