Ein schneller Gedanke

„Schau Mami, da haben sich ein paar Kinder eine Höhle gebaut!“ Mutter und Vater nicken, nehmen das Kind an die Hand und laufen weiter. Ort des Geschehens die Küste von Kos in der Nähe einer Hotelanlage. Bei genauerer Betrachtung liegt im Wasser ein zerstörtes Plastikschlauchboot. Neben der Höhle eine Feuerstelle, BILD0127.JPGdie mit Steinen abgedeckt wurde. Ein paar Meter weiter einige Schwimmwesten drei Kindergrößen, vier Erwachsene … Flüchtlinge! Die Flüchtlinge haben pro Person 1000,– EUR für die Fahrt nach Kos bezahlt. Mama und Papa haben einen Inklusivurlaub für vielleicht 700 EUR gebucht.

Nein Kind! Keine  Höhle! Was Du da siehst ist Deine Zukunft, Dein EUROPA, Deine zukünftige Welt … Du bist noch zu jung … und wir zu ignorant, verzeihe uns in zwanzig Jahren, wenn Du Dich an diesen Tag am Strand vielleicht erinnerst. Auch ich habe ignoriert, ich durfte an diesem Tag nicht einmal dort sein. Wie gesagt nur ein schneller Gedanke, einen Augenblick Luft geholt innerhalb dieses ganzen Wahnsinns. Ich befürchte am Ende wird man uns nicht verzeihen, aber den meisten wird das egal sein. Wir werden sagen: „So war das halt damals! Was hätten wir als kleine Leute tun sollen, wir hatten Kinder und mussten uns erst einmal um Euch kümmern!“

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2 Kommentare zu „Ein schneller Gedanke“

  1. Ich habe den Text gelesen und mir sind viele Dinge dazu eingefallen. Trotzdem habe ich mit meinem Kommentar gezögert. Kommentare sollte man nicht einfach „aus dem Bauch“ schreiben. Was ist mir dazu eingefallen? Zunächst: Ein großer Teil unserer deutschstämmigen Bevölkerung befürwortet die Aufnahme von Flüchtlingen. Aber: Die griechischen Ferieninseln verzeichnen in diesem Jahr einen dramatischen Rückgang ihrer Buchungen. Niemand will offenbar in seiner Ferienzeit mit dem Flüchtlingselend konfrontiert werden. Kann ich 100% nachvollziehen, denn auch der Gutmensch hat Anspruch auf unbeschwerte Erholung. Du schreibst: „Das ist deine Zukunft, dein Europa, deine zukünftige Welt“. Heißt das, es wird überall – auch bei uns – zukünftig solche Höhlen geben, in dem die Flüchtlinge dann leben, weil sie keine Unterkunft mehr erhalten? Oder meinst du: Wir werden zukünftig in solchen Höhlen wohnen, weil uns die Masse der weltweit Flüchtenden aus unseren Wohnungen vertrieben hat? Dazu eine Episode aus dem Leben: Einem guten Bekannten wurde in seinem Haus (Sozialwohnung) unterhalb seiner Wohnung eine afrikanische Familie einquartiert. Diese Menschen haben eine völlig andere Kultur. Es gab eine permanente Geruchsbelästigung im Hausflur und über die offenen Fenster aufgrund der fremdländischen Küchenzubereitung . Die Leute schienen sich Tag und Nacht anzuschreien und die Zimmertüren wurden ebenso Tag und Nacht laut betätigt. Mein Bekannter hat den direkten Kontakt gesucht und erntete Unverständnis oder man verstand ihn nicht. Er beschwerte sich bei der Verwaltung und minderte die Miete. Eines Tages war die Familie wieder ausgezogen. Möglicherweise wäre aber auch er ausgezogen und in letzter Konsequenz in einer Höhle gelandet? War er nicht tolerant genug? Das wird doch im Verhältnis zu anderen Kulturen immer von uns „Einheimischen“ gefordert. Ob das möglich und zumutbar ist, kann wohl nur der entscheiden, welcher selbst betroffen ist. Deine Befürchtung, unsere „zivilisierte“ abendländisch geprägte Welt könnte bald überall im Chaos versinken, teile ich nur begrenzt. Dies wird zweifellos geschehen, wenn wir es geschehen lassen.

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    1. Natürlich ist es eine schwierige Aufgabe Kulturen zusammen zu führen oder wenigstens in friedlicher Koexistenz leben zu lassen. Noch schöner wäre es, wenn man es in der Vergangenheit geschafft hätte, diesen anderen Kulturkreisen ihren Lebensraum zu belassen. Aber genau dieses haben wir als Weltgemeinschaft in den letzten 50 Jahren nicht vermocht und zerstören immer noch aus geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen heraus. Ich glaube auch nicht daran, dass wir es schaffen werden klimatische Veränderungen als Handlungs- u. Hilfsaufforderung zu verstehen. Aber wir haben es mit Menschen zu tun. Wenn Menschen realisieren, dass sie sich in einer feindlichen Umgebung befinden, machen Sie sich auf den Weg – dies steckt im „homo sapiens“ so drin.
      Seit knappen 100 Jahren warnen Wirtschaftsphilosophen und Wissenschaftler kontinuierlich vor den Schwierigkeiten, in denen wir heute stecken. Wir haben sie alle ignoriert und machen einfach weiter. Wassermangel, Umweltverschmutzung, Verteilungskämpfe, Rohstoffmangel, ausufernder Kapitalismus, Konfrontationen zwischen den großen Mächten China, USA und Russland.
      Wir Mitteleuropäer haben uns über Jahrzehnte einen Lebensstil geleistet, der nur noch an wenigen Punkten der industrialisierten Welt möglich ist. Ich persönlich komme mir manchmal vor wie in der Erzählung „Die Maske des Roten Todes“ von Edgar Alan Poe. Die Privilegierten feiern eine Party und sind der Auffassung die Pest aussperren zu können. Wie in der Erzählung erschallt die Glocke – und der Tod ist dann doch unter uns. Wir, Du und Ich sind in der Lage dies zu erkennen, das kleine Mädchen am Strand nicht. Wenn wir nicht radikal umdenken, wird die Konsequenz der Untergang sein.

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