Jahre später …

Fünf Durchsuchungen, fünf Menschen, fünf Geschichten und sehr viele Jahre, die danach folgen werden.

Wie war das damals? Woran erinnere ich mich noch? Ich stand an der Ampel und plötzlich waren meine Beine bleischwer. Natürlich wusste ich, da zieht eine Front gegen mich auf. Was wollten Sie von mir? Verdammt noch mal, ich war jung, ich hatte mein Bestes gegeben. Akte für Akte, Festgenommener für Festgenommener, Ermittlungen tagsüber und in der Nacht. Mein Kind? Mein Kind hatte ich selten gesehen. Meine Frau? Die hatte ich alleine gelassen. Organisierte Kriminalität! Schatz, die brechen in der Nacht in Villen ein. Du kannst Dir nicht vorstellen, was da mit den Leuten passiert, die sind jahrelang traumatisiert. Die Typen fallen wie die Heuschrecken hier ein, denen muss man Einhalt gebieten und Du hast einen Mann geheiratet, der das kann.

Erst waren es zehn Akten zum Einarbeiten, noch ein paar Berichte, einige Vermerke … wird schon werden. Dann kamen die Diagramme, die Morde, Entführungen, Schießereien und unzählige Einbrüche. Aus zehn Akten wurden hunderte, jeden Tag ein wenig mehr. Dann kamen Erfolge! Festnahmen! Und noch mehr Akten. Außenermittlungen, tagsüber und nachts. Zu Hause kriselte es: «Du hast nur eines Kopf! Deinen Dienst!»  Ich antwortete: «Schatz was soll ich machen? Das ist mein Job! Ich bin Polizist, ich mache OK! Niemand will, dass diese Typen gewinnen.»

«Ich will nicht ihren Telefonanschluss wissen, ich will ihre Stunden haben.», sagte die Frau im Geschäftszimmer. Was sollte ich sagen? Die vierstellige Zahl, war nun einmal meine Stundenzahl. Scheiß drauf! Du bist ein Kriminalbeamter, da gelten andere Richtlinien, die wissen doch gar, nicht was da draußen abgeht. Nach und nach wurde es eng. Wie oder wer sollte das alles noch hinbekommen? Hört endlich auf, mir noch diese Nebensächlichkeiten aufzudrücken. Ihr, die Führung, wollt mich auf die Probe stellen? Könnt Ihr haben!

«Sie warten auf Dich!», sagte Micha. «Keine Ahnung was sie genau wollen, aber Deine Waffe ist safe!» Dann standen sie da, die Beamtenmörder. Einen kannte ich noch aus der Ausbildung. Er lebte damals noch bei seiner Mutter, deshalb hatten sie ihn gemobbt. Als sie ihn auf einer Party abfüllten, hatte ich ihm den Schlüssel abgenommen, damit er nicht mehr mit dem Auto fährt. «Sie!», spricht er mich an. Ich denke mir: «Du Wurst wärst schon lange nicht mehr dabei, wenn ich nicht gewesen wäre. Nette Karriere mein Freund. Nicht einmal auf der Straße gewesen, aber jetzt Beamtenmörder, Du mieser kleiner Anzugträger. Ich hab dann mal in der Zwischenzeit gesoffen, verhauen und festgenommen. «Sind Sie mit einer Begehung ihrer Wohnung einverstanden?» Was willst Du?  So funktioniert der Laden hier also. Ich hätte an der Ampel auf meine Instinkte hören sollen, aber ich musste ja zur Dienststelle gehen. Verdammtes Pflichtbewusstsein.

«Ich hoffe wir können auf Handschellen verzichten. Aber Sie sind jetzt festgenommen.» Ich denke mir: «Wenn der noch einmal Sie sagt, liegt er!» Doch ich bin friedlich. Ich habe noch ein Gespräch mit dem Leiter von allen. «Es wäre nicht gut, wenn Sie jetzt gegen die anderen schießen, das wäre unterhalb der Würde!» Heute, fünfundzwanzig Jahre später, denke ich mir: «Du mieses kleines Arschloch! Mit einem 28 Jährigen kannst Du so eine Nummer durchziehen!» Damals: «Glauben Sie, ich weiß etwas?» Antwort: «Sie wissen zuviel!» Diese Antwort habe ich in all den Jahren niemals vergessen, sie treibt heute meine Finger über die Tastatur.

Im Bericht stand später: «Er verhielt sich ruhig. Auf sein Bitten hin, durfte er seine Frau unter meiner Beobachtung anrufen, damit sie sich etwas anziehen konnte und das Kleinkind vorher versorgen konnte, dann wurde die Wohnung des Beschuldigten ohne Erfolg durchsucht.»

Dumm gelaufen! Alle vermeintlich verschwundenen Akten befanden sich bei der StA Berlin. Das Thema Bestechlichkeit erübrigte sich mit einem aufgefundenen Vermerk und die Urkundenfälschung war einfach nur eine Bereinigung der Akte. Die Sache mit dem Besitz von Betäubungsmitteln war dann selbst dem letzten Staatsanwalt zu dämlich. Im Gegenzuge entschied sich die Disziplinarstelle für den Außenbordmotor: «Ein sehr engagierter Beamter, der sich innerhalb kürzester Zeit in Großverfahren behauptete!»  Immerhin meldete sich dann doch der Polizeipräsident. Es kann ja nicht sein, dass die Berliner Polizeibehörde gegen einen Beamten aus dem Bereich Organisierte Kriminalität zwei ganze Jahre ermittelt und nichts dabei heraus kommt. Zahlen Sie 100 DM wegen des Verstosses gegen Geschäftsanweisungen.

Ein knappes Jahr später erfolgt die Berufung in die Konfliktkommission der Berliner Polizei mit der Begründung: «Wer dieses Verfahren ohne nennenswerten Schaden überlebt, hat bewiesen, das er es kann!» Na, toll …

Es folgten zehn Jahre innerhalb dieser Kommission. Unter anderen mit der Fragestellung seitens Leiter Landeskriminalamt: «Was halten Sie von dem Ermittlungsverfahren ErGr Rumba?» Und mit der süffisanten Bemerkung seines Vertreters: «Sie müssten doch wissen, wie es läuft!»

Ich weiß, was es bedeutet, ins Fensterkreuz gehangen zu werden. Organisierte Kriminalität durch Straftäter aus Restjugoslawien in Deutschland gibt es nicht. Es handelt sich um Einzeltäter, die sich ab und wann miteinander verbinden. Wenn damals ein Herr RA Ströbele in einer Gerichtsverhandlung feststellt: «Sie haben soviel Verfahren mit Straftätern aus Restjugoslawien bearbeitet, sie müssen ja ausländerfeindlich sein!» Dann habe ich die Richtung verstanden. Oder wenn sich eine ganze Meute OK -Anwälte aus Lichterfelde und der Fasanenstrasse mit einer kompletten Mafia Truppe verbündet und die Verurteiliung wegen der Bildung einer Kriminellen Vereinigung verhindert, ist die Bezeichnung selbstverständlich: Rechtsstaat. Ansprachen bei Gericht mit den Worten: „Wenn der Herr Consiglieri das so sagt …!“, sind dann nicht gern gehört.

Ein Anschlag, ein Amri, und fünf engagierte Sachbearbeiter. Keiner wird Euch jemals eine Genugtuung geben. Ich gehe mal in den Keller und hole eine Glaskugel heraus. Am Ende wird Euch maximal ein Verstoß gegen dienstliche Anweisungen treffen, ob unschuldig oder nicht, wenn die Behörde schon mal ermittelt, muss etwas übrig bleiben. Selbst die Super -. Beschuldigten nach der Dolmetscher Affäre, die auch nur den Ball am Rollen halten wollten, waren nach zwei Jahren alle wieder im Dienst. Nicht weil etwas vertuscht wurde, sondern der Irrsinn regierte. Es werden auf Euren Rücken ein paar Köpfe rollen, das ist der Plan.

Hier in diesem kleinen BLOG, den nur wenige lesen, ein kleiner Satz, den mir damals ein alter Fahnder am Tresen sagte: «Kleiner! Hast Du als Bulle irgendetwas falsch gemacht, also etwas, was Du Dir selbst vorwerfen musst?»

In diesem Sinne …

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