Sicherheit für die Ohren: Wie groß ist die Terrorgefahr in Berlin? von BILD

Wenn Herr Geisel etwas erreicht hat, dann die Qualitätssteigerung der Informationen bei den Journalisten, die über die Sicherheits- und Polizeithemen in der Hauptstadt schreiben und sprechen. Vielen muss in den letzten Jahren ein „Kamm“ gewachsen sein und die letzten Ereignisse, also AMRI, der Skandal bezüglich der Schießhallen und dem Polizisten, der angeblich Informationen an die 1 % er Rocker weitergeleitet hat, haben offensichtlich die inneren „Fässer“ zum Überlaufen gebracht.

Im aktuellen Podcast sinnieren die beiden Reporter Peter Rossberg und Axel Lier über Terror, Terror – Angst und die bisher getroffenen Maßnahmen. Insbesondere das Thema Angst nimmt eine herausragende Stellung ein. Angst ist bekanntermaßen nicht verkehrt, sondern macht den Unterschied zwischen dummdreist mutig und Vorsicht aus. Nur sehr dumme Menschen haben gar keine Angst. Aber es gibt sehr unterschiedliche Art und Weisen mit diesen Ängsten umzugehen. Ein Großstädter ist darauf angewiesen, mit diesen Ängsten umzugehen. Manchmal kommt dann auch noch die Angst um die Kinder dazu. Beide haben ihren Aussagen nach Kinder.

Mit den Kindern ist das so eine Sache. Wir können sie nicht vor allem beschützen. Jedoch können wir ihnen beibringen eine vernünftige Gefahrenanalyse durchzuführen, geeignte Strategien zu entwickeln und ihnen zeigen, wie man mit Angst umgehen kann. Sicherlich gehört hierzu der Strassenverkehr, einer der Killer in einer Metropole überhaupt. Wir lernen auf Motorengeräusche, Bremsenquietschen und andere Laute zu achten. Dazu gehört auch das Aufpassen auf den Drink am Tresen, damit keiner irgendwelche Substanzen beifügt. Vielleicht auch das Ausweichen auf die andere Straßenseite, wenn sich Unsympathen an einer Stelle sammeln. Wir sagen unseren Kindern, dass sie nicht bei betrunkenen Freunden ins Auto einsteigen sollen, die Mädels sollen lieber mit der Taxe fahren, als sich nachts an eine Bushaltestelle zu stellen und die Kerle sollen gefälligst nicht in der U-Bahn einpennen. Dieses und noch sehr viele Dinge mehr, sind naheliegende Gefahrenquellen in einer Metropole.

Auch die Gefahren einer Massenveranstaltung versuchen wir ihnen aufzuzeigen. Gasflaschen auf Weihnachtsmärkten können hoch gehen, der Stand kann in Brand geraten, eine Windböe verwandelt Abdeckungen in ungesunde Fluggeschosse, Betrunkene beim Rockkonzert drehen durch, Massenpaniken, Bengalos im Fanbereich, Hooligans usw.. All dieses sind durchaus reale Gefahren, Albträume eines Vaters, der mit Sicherheitsfragen zu tun hat und nicht von der Hand zu weisen sind. Ganz simpel: „Massenveranstaltungen sind immer ein Horror!“ Veranstaltungen, die ich stets meide. Leider teilen meine Töchter diese Ansicht nicht und vielleicht ist das auch gut so. Wenigstens konnte ich ihnen einiges zeigen. Immer einen Plan B in der Tasche haben, dafür sorgen, dass im Rücken ein wenig Platz ist, ab und zu mal den Kopf oben und die Umgebung im Blick haben. Zu Demos sagte ich Ihnen, das sie  auf die Helme achten sollen, denn wenn die anfangen auf und nieder zu gehen, weil die Polizei am Rennen ist, sollte man gehen. Ich brachte ihnen ein Gespür dafür bei, wie es sich anfühlt, wenn die „Strasse anfängt zu flimmern und kurz vor der Eskalation“ steht. Keine Ahnung, ob sie sich daran halten, ich kann es nur hoffen.

Wie verhält es sich mit der Terrorgefahr? Gibt es da Besonderheiten? Sollen sie darauf achten, dass sich jemand seltsam verhält? Nun, dass tun andere Spinner auch. Nicht jeder Durchgedrehte mit einem Messer ist auch ein Terrorist in Berlin. Im Gegenteil, die Wahrscheinlichkeit, das es sich um einen kaputten Grossstadtneurotiker handelt, ist unweit größer. Bei einer vernünftigen Gefahrenbewertung muss man recht nüchtern feststellen, das alle anderen Gefahren 1000 fach größer sind, als das Opfer eines Terroranschlags zu werden.

21:00 Uhr, Berlin Spandau, Glühweinstand mit örtlich ansässigen Trinkermilieu ergibt ein deutlich höheres Risiko für eine Körperverletzung, als ein Salafist auf Erlebnistour ins Paradies. Ich gebe Herrn Rossberg recht, wenn er sagt, dass es nicht sein kann, wenn die Regierung mir vorschreibt, dass Angst jetzt die falsche Reaktion wäre, denn Angst ist ein Überlebensfaktor in einer Millionenstadt. Oftmals ist es auch genau das, was wir Großstädter den „Landeiern“ voraus haben. Längst sind wir aber nicht in der Situation eines Israeli, der sehr konkret Ausschau halten muss und seine Kinder in zwei verschiedene Schulbusse setzt, damit im Falle eines Anschlags, wenigstens ein Kind überlebt. Was nicht ist , kann noch werden, aber wir leben jetzt.

Außerdem wird über den Frust der Berliner Polizisten gesprochen. Auch hier lassen  beide einen guten Informationsstand durchblicken. Jenseits des Podcast stört mich dabei aber immer mehr, dass dieses ausschließlich auf abstrakte Begriffe abgeschoben wird. „Der Senat“, „die Behörde“, „die Politiker“ werden immer als die üblichen Verursacher benannt. Ich möchte hinzufügen: „die Bevölkerung!“. Warum? Ich habe sehr genau verfolgt, wie die Presse titelte: „Lügenpolizisten!“ und ein sehr großes Spektrum klatschte und der Geifer aus dem Mund tropfte. Ebenso stürzt sich die sensationsgeile Gemeinschaft der „Besorgten Bürger“ auf die angeblich gemeinsame Sache eines Ermittlers mit den Hells Angels. Der durch RTL, SAT1, SPRINGER, Pro7 und GRÜN geschulte Mob an Verschwörungsexperten weiß bereits nach der ersten Meldung: Der Staat, seine Büttel die Polizei und die Politiker verarschen uns.

Dieselben Kandidaten, die nachmittags bei einem lactose- u. koffeinfreien Milchkaffee in einem Lokal am Görlitzer Park saßen und sich bei der Festnahme eines Dealers empörten „Was machen Sie mit dem Mann da?“, weinen beim Lesen der TAZ über den Verlust ihrer Freiheiten. Sie sind es auch, die nicht verstehen können, dass ein AMRI aufgrund eines Drogenhandels nicht abgeschoben wurde.

Am Ende des Podcast wird darauf eingegangen, dass die 7. Mordkommission zum Polizeilichen Staatsschutz wandert. Wieder wird ein Loch aufgerissen, um ein anderes zu stopfen, es sei denn das LKA 1 hat einen Ermittlerüberschuss. Na, ja … die werden wissen was sie tun. 2010 hieß es noch:

Auch wenn die Aufklärungsquote bei Tötungsdelikten bei rund 95 Prozent liegt, gab es immer mehr Klagen über die Arbeitsbelastung. Jeder der derzeit 70 Mitarbeiter des Morddezernates häuft im Durchschnitt pro Jahr 300 Überstunden an.Die zusätzlichen zehn Ermittler sollen aus anderen Dienststellen des LKA gewonnen werden. An Bewerbern dürfte es nicht fehlen, das Dezernat ist behördenintern hoch angesehen, wenngleich der Beruf maximalen Stress bedeutet. Im Wechsel mit den anderen Mordkommissionen müssen die Ermittler jeweils zwei Wochen lang 24-Stunden-Bereitschaft haben. „Die Arbeit in der Mordkommission ist der Feind jeglichen normalen Familienlebens, jeglicher Hobbys, jeglichen Sports, jeder Beziehung. Man muss sich darauf einrichten, dass man auf vieles verzichten muss, sagte der Leiter der 7. Mordkommission, Thomas Scherhant. – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/15178396 ©2017 Ausgabe: 20.02.10, A. Kopietz

Was hat sich denn in den letzten 7 Jahren gravierendes geändert?

Polizeipräsident Kandt erklärte anlässlich der Vorstellung der Zahlen: „Bei den schwersten Verbrechen wie Mord, Totschlag und Raub gibt es deutliche Rückgänge. Damit ist belegt: Die ständig wiederholte Behauptung ‚es wird immer schlimmer‘ ist falsch.“ Quelle: Tagesspiegel Berlin, 13.3.2017

Da hat der Präsident recht, von 112 Delikten, sank die Zahl auf 92 Taten, da kann schon mal reduziert werden, es zeichnet sich ja quasi eine Tendenz in Berlin ab. Das gute alte Berlin, eine kleine Stadt gegen alle, denn bundesweit steigen die Fallzahlen. Aber prozentual sind die Fallzahlen bezüglich Terror um 100 % gestiegen – na dann … rüber mit den Ermittlern.

Ceterum censeo Carthaginem esse delendam … endeten die Reden von Cato dem Älteren. Ich neige langsam dazu, meine Beiträge hier mit den Worten: „Im Übrigen bin ich der Meinung, dass eine Gesellschaft, die nach dem Motto lebt: Wasch mich, aber mach mich nicht nass, es nicht besser verdient hat.“, zu beenden.

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