Hang Over

Ich habe ein paar Tage überlegt, ob ich irgendetwas in meinem BLOG über den vermeintlichen Polizei – Skandal schreibe. Immerhin haben es ein paar Leute in ihrer Freizeit geschafft, mit einer ziemlich harmlosen Party in die Presse zu kommen. Und dieses immerhin über mehrere Tage hinweg. RBB24 sah sich sogar dazu veranlasst eine Sondersendung zur Primetime auszustrahlen.

Für mich ist das der Skandal. Ich habe mich nochmals vergewissert, das wir wirklich das Jahr 2017 schreiben und nicht noch irgendwo in den Fünfziger Jahren herum dümpeln. Egal aus welcher Richtung ich die Angelegenheit betrachte, es führt immer dazu, dass ich die Hände über den Kopf zusammenschlage.

Zunächst die bekannte Ausgangssituation. Mehrere Menschen im Alter zwischen 18 – 40 Jahre feiern in ihrer Freizeit eine Fete in einem abgelegenen Containerdorf. Sie konsumieren Alkohol, ein heterosexuelles Pärchen oder zwei Menschen die einfach Bock aufeinander hatten, vögeln etwas abseits an einem Zaun und ein paar andere Leute, die zu faul sind in Richtung Toilette zu gehen, erleichtern sich an einem Zaun. Zusammengefasst das ganz normale Bild bei jedem Osterfeuer, Schützenfest, Bierzeltgelage oder anderen Gelegenheiten. Eine junge Frau fühlte sich animiert einen Tanz a la „From Dusk till Dawn“ hinzulegen, man kann nur hoffen, dass sie es auch konnte. Die Betonung liegt immer auf Freizeit! Denn in Berlin werden die Arbeitsstunden in einem anderen Bundesland nicht „Durchgeschrieben“!

JEDER ab auch wirklich jeder, der bei der Feuerwehr, Bundeswehr oder Polizei war oder ist, sagt an dieser Stelle: „Mehr war nicht?“. Nein! Und selbst wenn, es fand alles unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Das ist wichtig! Denn sonst würde bei enger Auslegung das Landesbeamtengesetz greifen, demnach der Polizist auch in seiner Freizeit nicht das Ansehen der Behörde schädigen darf. Übrigens gilt dieses für alle Beamten. Also auch wenn ein Lehrer sich sturzbetrunken nach einem Kneipenbesuch unsterblich in eine Straßenlaterne verliebt und als hilflose Person aufgegriffen wird, befindet er sich im Bereich disziplinarer Ermittlungen. Abgeleitet wird dieses von den ein wenig in die Tage gekommenen „Hergebrachten Grundsätze n des Berufsbeamtentum“, die sich noch aus Preußen in unsere Gesetzgebung retten konnten und sich im Artikel 33 (5) wiederfinden. Neben anderen Dingen gehört dazu auch:

… das achtungs- und vertrauenswürdige Verhalten (Beamte sind als Repräsentanten des Staates gehalten, ihr Verhalten innerhalb und außerhalb des Dienstes so auszurichten, dass es den Erfordernissen ihres Berufes gerecht wird).

Das macht den Beamten aber nicht zum dauerhaften moralisch gefestigten Menschen, was auch immer darunter zu verstehen ist. Sondern er hat auch ein Privatleben, nämlich immer dann, wenn er sich nicht in der Öffentlichkeit befindet.

Tatsächlich wurde aber das Ansehen der Behörde in der Öffentlichkeit geschädigt, nicht unmittelbar, sondern durch das Verhalten der Hamburger Polizeiführung. Es entspricht nicht einem lebensnahen Sachverhalt, das ein privater Sicherheitsdienst das Verhalten innerhalb des Containerdorfs dokumentiert und brav weiter meldet. Da steckt eine lange Hand dahinter. Amüsant fand ich die Rechtfertigungen für etwas, was nicht gerechtfertigt werden muss. „Da gab es nichts! Kein Fernseher, kein Internet, was soll man machen: Partie und Alkohol!“

Anders formuliert: Wenn ich zu Hause eine Partie schmeiße, nackte Stripperinnen (volljährig und freiwillig) durch die Wohnung rennen, die Tür aufspringt und mich die Ordnungsmacht fotografiert, dann liegt die Peinlichkeit meiner Auffassung nicht bei mir, sondern auf der anderen Seite.

Der Hanseate könnte jetzt anmerken: „Fortbildung, Vorträge über Philosophie, ein gutes Buch lesen, Beten, gemeinsam erbauliche Lieder singen und bei Sonnenuntergang schleunigst ins Bett gehen, wäre eine angemessene Freizeitgestaltung.“ Lassen wir mal dahingestellt sein, ob das die Hamburger Polizisten immer so praktizieren, es gibt Gerüchte die dagegen sprechen. Aber immerhin gibt es auch noch eine gewisse Aufrichtigkeit. Die Wuppertaler Polizei, die angeblich im Zuge der Partie in eine Schlägerei verwickelt gewesen sein soll, dementierte prompt: „Nö! Da war nichts!“

Die vorgeschlagene Freizeitgestaltung könnte man in Erwägung ziehen! Aber …! Nun war da nicht das 5. Semester Philosophie aus Heidelberg versammelt, auch nicht die Buchhaltung einer Versicherungsanstalt (Ich habe bewusst nicht die Banker und Versicherungsvertreter im Außendienst erwähnt, die lassen es bekanntermaßen auch ordentlich krachen.), sondern Frauen und Männer, die der Staat vorsätzlich und bewusst zur Durchsetzung der Staatsräson beim G20 in zu erwartende bürgerkriegsähnliche Zustände schickt. Menschen, die gute Chancen haben, in den nächsten Tagen eine Krankenstation zu besuchen, weil ihnen die Schneidezähne von einem Stein eingedroschen wurden, sich das Schienbein haben brechen lassen, Verbrennungen davon getragen haben und was so ein gewalttätiger Mob noch so anrichten kann. Ein Gipfel, initiiert von einer pubertär auftretenden politischen Klasse: „Wir wollen unseren Gipfel aber in einer Stadt machen, Bääh, das lassen wir uns nicht vermiesen, wofür haben wir denn die Idioten von der Polizei.“

Einem Hanseaten, der sich noch als echter Offizier versteht, wäre eine publikumswirksame Lösung des Konflikts auch niemals in den Sinn gekommen, da hätte es eine interne Regelung gegeben. In manchen Kreisen nennt man solche Menschen „Hödie“ (abgeleitet von Höherer Dienst) und das hat seine Gründe. Aber ein „Hödie“ der Polizei ist halt oftmals nicht mehr ein Offizier des alten Schlags, als der er sich gern verkaufen würde. Auch stellt sich mir wieder einmal die Frage: Was soll dieses devote Verhalten der Berliner Polizei? Öffentlich die Frage zu stellen: „Hamburg? Geht’s noch? Waschen wir jetzt unsere Wäsche schon bei Banalitäten öffentlich?“, wäre angezeigt gewesen. Aber wahrscheinlich ist es dieses von Frau Koppers propagierte: „Schaden von der Behörde abweisen!“

Unter Umständen ist es aber auch wie im Film „Das Boot“, als Otto Sanders in der Rolle des sturzbetrunkenen Kapitänsleutnant Philipp Thomsen zusammen mit Jürgen Prochnow feststellt, dass eine neue Generation übernimmt. Den genauen Wortlaut des Dialogs im Film kann sich jeder alleine anhören. Die Wuppertaler kennen den Film offensichtlich.

Solche Menschen im Containerdorf lesen halt nicht lieber ein gutes Buch und geben sich erbaulichen Freizeitbeschäftigungen hin. Wer sich ein wenig mit Psychologie auseinandersetzt, könnte noch „Groupthinking“, die Aufgabe der individuellen Moral zu Gunsten der Gruppenmoral usw. anführen, aber mit solch langweiligen Führungswissen, wollen wir den hanseatischen Polizeiführer gar nicht belasten, er wird sehr eigene Voraussetzungen haben, die ihn dazu befähigen im Höheren Dienst zu überstehen bzw. dorthin aufgestiegen zu sein. Das ist bei seiner Entfernung zur Truppe in der heutigen Zeit auch nicht mehr seine Aufgabe.

Das Verhalten dieser Leute dort im Containerdorf scheint jetzt auch nicht wirklich neu zu sein. Sonst würden sich mir in der Berliner Polizeikaserne Kruppstr., die noch der Kaiser in Auftrag gegeben hat, nicht die „Kotz – Becken“ auf den Herrentoiletten erklären, die einst den Offizieren vorbehalten waren. (Werden die eigentlich noch hergestellt?)

Ist vielleicht das illoyale Verhalten des Hamburger Polizeiführers gegenüber den ihm unterstellten Einsatztruppen ein Skandal? Vielleicht! Ich will mich da gar nicht positionieren, aber bedenkenswert finde ich das auf jeden Fall. An manchen Stellen fiel das Wort „Klassenfahrt“. Ah ja? Ich erinnere mich, dass wir bei Klassenfahrten immer Hurrah riefen. Raus aus der Schule, eine Woche Spaß haben! Stimmt, da gab es die Geschichte, wer sich daneben benimmt, wird nach Hause geschickt. Also die üblichen Geschichten: „Alkohol unter 16! Verstoß gegen das Rauchverbot! Zimmer verlassen nach 22:00 Uhr“.

Als erwachsener Polizist, eventuell sogar schon gestandener Familienvater, zum „G20“ geschickt zu werden um Schadensbegrenzung bei erwarteten Ausschreitungen durch international reisende politische Gewalttäter zu betreiben, entspricht einer Klassenfahrt? Hört! Hört! So einfach ist das? Wenn ich ein wenig jenseits deutscher Kleinstadtmoralisten liege, werde ich zu Mama nach Hause geschickt? Na, dann … her mit dem Bademantel! Das ist mir jeder mündliche disziplinare Verweis wert, befördert werde ich als Berliner bei der BePo sowieso nicht.

Moralisten ist ein schönes Stichwort! Es ist hochinteressant, wer sich alles zu Wort meldet. Die einschlägigen Radiosprecher nahmen es recht locker, selbst Axel Springer Verlag schmunzelte ein wenig, doch ausgerechnet das linke Spektrum entdeckte das Kleinbürgertum. Es klang in den letzten Tagen schon fast ein wenig beleidigt: „Hallo! Feiern haben wir belegt! Wo kommen wir denn hin, wenn jetzt ausgerechnet die Bullen, die verhassten Systemvertreter Spaß haben. Das geht ja nun gar nicht! Die haben gefälligst weiterhin Schnauzbart zu tragen und beim Vögeln das Licht auszumachen.“

Ich kann es verstehen. Mit einem Mal verkommen Feten in der Köpi und in der Rigaer zur Banalität. Ich würde mir als „Schwarzjacke“ auch ein wenig blöd vorkommen, wenn ich feststellen müsste, dass mein Stern – Bier Gesaufe jetzt nicht wirklich die Revolution einleitet. Verdammt! Und ob die betrunkene Uschi auf dem Tisch nun zerrissene schwarze Strumpfhosen und eine Lederjacke an hat oder einen Bademantel, macht den Kohl nun auch nicht fett.

Aber da ist ja noch der RBB. Frage an den Polizeipräsidenten: „Wo waren denn die Führungskräfte? Die sollen angeblich im Hotel untergebracht gewesen sein.“ Danach kommt ein geschicktes Ausweichmanöver, welches aber eines verrät! Ab einer gewissen Stellung, waren Führungskräfte nicht mehr im Container untergebracht. Das ist ja spannend! Ab einem Dienstgrad x ist es dem Beamten nicht mehr zuzumuten im Container untergebracht zu werden! Dolle Sache … Ob sich das mit dem Anspruch der PDV 100 deckt, die den militärischen Aufbau der Polizei auflösen wollte, sollte mal jemand überdenken. Und wenn doch militärisch, ist dann der Offizier nicht immer bei der Truppe?

Aber der RBB sah seine Chance im Investigativen Journalismus. Tenor: „Die Berliner Polizei hat sich ja nicht erstmalig daneben benommen.“ Es folgte ein wilder Mix von Ereignissen seit den Neunziger Jahren, eben was das Archiv auf die Schnelle alles her gibt. Berliner Polizisten betrieben ein Bordell, misshandelten Rumänen und Vietnamesen, griffen zu hart durch bei Demonstrationen … ein wilder Ritt durch die Ereignisse. Journalistisch ein totaler Griff in den Mülleimer. Also wenn schon, fehlte da einiges und hinzu kommt: Was ist die Botschaft? Sollten jetzt die Partie machenden Polizisten in die Nähe der Bordellbetreiber gebracht werden? Hat der RBB übersehen, dass die damaligen Ermittlungen in Sachen Misshandlungen trotz übelster interner Ermittlungen vollkommen im Sande verliefen? Weiß der RBB, dass der Bund mit einer eigenen Einheit auf die Gewaltbereitschaft reagiert hat, die Berlin in nichts nach steht? Ja, liebe Leute vom RBB, es gab echte Skandale und die waren nicht schön und auch nicht entschuldbar. Ich erinnere mich mit Schrecken an diverse T – Shirt Aufdrucke, die einfach nicht gingen. OK! Aber die Leute da im Container, die haben nun ausnahmsweise mal wirklich nichts gemacht.

Es gibt bei tausenden Polizisten, wie in jeder anderen Metropole auch, Schwarze Schafe, weil die Polizei nun einmal Abbild der Gesellschaft ist. Will mir das der RBB sagen? Kleine Nachhilfe: Es gab auch Polizisten die Raubüberfälle gemacht haben, es gab auch welche, die mit der Dienstwaffe Banküberfälle begangen haben, andere kooperierten mit Dealern, manch einer wechselte komplett die Seite und treibt sich jetzt im Milieu herum. Was genau hat das jetzt mit den Polizisten dort in Bad Segeberg zu tun? Das nenne ich mal journalistisches Heldentum.

LINKE fordern gar die Auflösung! Auch sehr spannend. Wohin mit den Polizisten und wo sollen die anderen herkommen? Und vor allem: Warum? Lösen wir jetzt bei den LINKEN nach jeder Partie, die von Zauberkraut und Alkohol begleitet wurde, die Fraktion auf? Aber keine Angst, da gibt es kein Alleinstellungsmerkmal, die anderen Fraktionen wurden auch schon mit Alkohol und anderen Sachen am Steuer erwischt. Aber die „Schwarzen“ haben sich diesmal ziemlich zurück gehalten. Liegt vielleicht daran, dass sich die Junge Union an ihre Christlichen Werte im Sinne von: “ … wer denn da frei von … „, erinnerten und dabei an die eine oder andere Feier in konservativen Studentenvereinigungen denken mussten. Manch einer mag auch an seine Zeit beim Bund gedacht haben.

Fazit: Die Kirche im Dorf lassen, hätte vielen bei der Sache gut zu Gesicht gestanden. Immer brav daran denken: Jede Aussage gibt auch Auskunft über mich als Person! Es kann einen ein wenig der Verdacht kommen, dass der eine oder andere LINKE ein wenig konservativer u. kleinbürgerlicher ist, als es erscheint. Und auch die Extremisten haben sich geoutet.

Wenn die Alkohol trinken und an Zäune pullern, bumsen und tanzen, dann dürfen wir auch mit Steinen werfen! Das lässt nachhaltige Schlüsse auf den Wert der angestrebten Revolution und den IQ zu. Oh, oh, seid nicht sauer Mädels und Jungs, es gibt einiges da draußen zu ändern, aber mit Euch werden wir da keinen Blumentopf gewinnen. Im Kindergarten gab es immer diese Symbole, damit wir wussten, wo wir unsere Jacken aufhängen mussten. Langsam fange ich an zu verstehen, warum ihr immer dieses A mit dem Kreis drum herum habt. Echte Rebellen stehen über solche Dinge oder gehen es wenigstens mit Humor an.

Mit Spannung darf erwartet werden, wie sich die nächsten Tage in Berlin und Hamburg entwickeln. Mal sehen, was die Hamburger Polizei unter einem „Hanseatischen Auftreten“, wie es der Pressesprecher formulierte, versteht.

Ich hoffe, ich habe mit diesem BLOG Beitrag nicht selbst gegen die hergebrachten Grundsätze verstoßen, denn einer lautet:

Beamte unterliegen der Neutralitätspflicht , unparteiischer Amtsführung, und müssen für die Freiheitliche demokratische Grundordnung eintreten.

Jedoch ist laut hoher Rechtssprechung die Meinung immer noch frei. Ach ja … für alle Linksextremisten die sich hierher verirren: Feuer frei in der Kommentarfunktion, alles innerhalb der FDGO wird zugelassen und Beleidigungen halte ich aus.

Am Ende fällt mir hierzu nur ein Song aus den 80zigern ein:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s