Was AfD, G20 Gegner u. die Rigaer vereint

Zunächst einmal die Tatsache, dass sie beide, zwar aus unterschiedlichen Motiven heraus, radikale Positionen vertreten. Ist man selbst nicht radikal, besteht eine Neigung dazu, die Akteure nach dem Verstand zu fragen. Vorsicht ist geboten! Unterschätze niemals den gegnerischen General! (Sun Zi – Kunst des Krieges).

Mich wunderte anfangs ein wenig, warum die AfD, besonders wenn Hr. Höcke auftritt, sich auf den Schlachtruf „Merkel muss weg!“ einschoss und gnadenlos alles linksseitige provozierte. Dann erinnerte ich mich nochmals an Saul Alinsky und legte seine 12 Regeln für Radikale auf die Geschehnisse der letzten zwei Jahre.

 Regel 10: „Wenn Du einen negativen hart genug drückst, wird er sich durchsetzen und zu einem positiven werden.“ Durch Gewalt von der anderen Seite kannst Du die Öffentlichkeit auf Deine Seite gewinnen, weil die Öffentlichkeit mit dem Unterlegenen sympathisiert.

Kaum verloren die LINKEN die Nerven u. verübten die ersten Anschläge, bis hin zu den Auftrittsverboten, meldeten sich die ersten aus der Mitte mit Sympathiebekundungen. Ein voller Erfolg.

Auch die G20 Gegner hatten aufgrund des Gegenwindes einen mehr als schlechten Stand. Schon Minuten nach der Räumung des Camps kam es zu empörten Aussagen aus bisher nicht erschlossenen Lagern. Weitere Sitzblockaden werden folgen und Polizisten geben beim Wegtragen nie ein gutes Bild ab. Ich erinnere dabei auch an die Aussagen des Innenpolitischen Sprechers der LINKEN, die diese Maßnahme sogar per Beschluss befürworteten.

 Regel 12: Wähle das Ziel, friere es ein, personalisiere es, und polarisiere es „Schneide das Support-Netzwerk und isoliere das Ziel von der Sympathie. Gehe hinter den Menschen und nicht den Institutionen; Menschen werden schneller verletzt als Institutionen.

Wir sind eine Parteiendemokratie, trotzdem personalisiert die Afd unentwegt. „Merkel muss weg!“ In der Rigaer wurde auf diese Weise Innensenator Henkel diskreditiert und bei Geisel zeichnet sich ein ähnlicher Versuch ab.

Regel 2: „Gehe niemals außerhalb der Fachkenntnisse deiner Leute“ Es führt zu Verwirrung, Angst und Rückzug. Sich sicher fühlen stärkt das Rückgrat von jedem. (Angegriffene Organisationen fragen sich, warum Radikale nicht die „echten“ Probleme angehen. Das ist es, weshalb. Sie vermeiden Dinge, von denen sie keine Kenntnis haben.)

Bei dieser Regel hat man beinahe den Verdacht, dass sie von Björn Höcke selbst erfunden wurde. Eine Überforderung seines Publikums kann nun wirklich nicht eintreten.

Ich habe überhaupt nicht den Anspruch in diesem BLOG alle 12 Regeln durchzugehen bzw. gar das Gesamtwerk anzuwenden. Doch stelle ich mir die Frage, ob mir irgendetwas in der Presse entgangen ist. Bisher habe ich diesbezüglich keine gut aufbereitete Aufklärung darüber in den Medien gelesen oder gesehen. Ich lasse mich da aber gern korrigieren.

Letztmalig stellte ich mir diese Frage während der Griechenlandkrise, als Varoufakis, immerhin eine absolute Instanz bei der „Spieletheorie“, diese gnadenlos anwendete. In einem der Standardspiele geht es darum, wie ich in einer Verhandlung eine Situation erschaffe, in der der anderen Seite klar gemacht werden soll, dass ich von meiner Entscheidung faktisch nicht mehr zurücktreten kann, sie also nicht, selbst wenn ich wollte, verhandelbar ist. Es wird im folgenden Setting verdeutlicht: Zwei Fahrer rasen aufeinander zu. Wer ausweicht hat gewonnen. Wie kann ich dem anderen signalisieren, dass ich definitiv nicht ausweichen kann? Ganz einfach, ich halte das Lenkrad aus dem Fenster! Nichts anderes tat Varoufakis. Wer die Biografie kennt, konnte darauf recht schnell kommen.

Aber auch hierzu habe ich in der Presse nichts brauchbares zu Lesen bekommen. Lese ich die falschen Publikationen? Oder erwarte ich bei der taktischen Betrachtung, auch bezüglich der radikalen Aktionen, von der Polizeiführung schlicht zuviel Weitsicht? Ich bin gespannt, wie es weiter geht.

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