Es ist zum Verzweifeln

Es gibt da diese Tage, an denen man sich fragt, gehe ich jetzt lieber schlafen oder schreibe ich noch etwas. Hamburg ist vorbei und wird langsam zur Geschichte. Wie damals der 1. Mai und die Mainzer zur Folklore bei der Polizei und bei den Linken wurde. 100 x  intern und mit Teilnehmern auf der anderen Seite ausdiskutiert. Es ist gar nicht solange her, da sagte ein Teilnehmer zu mir: „Natürlich haben wir im Zweifel auch einen Toten in Kauf genommen und die Kiddies wussten nicht, was sie tun.“ Ich stand auf und warf aus lauter aufsteigender Wut eine Bierflasche gegen den nächsten Baum, leider unter Beobachtung einer meiner Töchter. Alles war wieder gegenwärtig.

Die Wut auf Politikerinnen wie Renate Kühnast war wieder da, die sich bräsig präsentierte und die Polizei kritisierte. Altes Adrenalin schoss wieder durch die Blutbahnen. Aber ich dachte auch an meine eigenen Erlebnisse als Demonstrant oder als Zivi im Demonstrationszug, der selbst von den eigenen Jungs auf die Schnauze bekommen hat. Dieser Hass auf all die ganzen Dreckspenner, die nur Randale machen wollten, stundenlang darauf warteten, dass es endlich los geht. Später diese Amateure, die in Kreuzberg stolz waren, wenn sie eine Bierdose in Richtung Bundespolizei schleuderten, dieser ganze Demo – Tourismus … hey, gehen wir ins Konzert oder zur Randale. All dieses kommt wieder hoch. Dieser sinnlose Strassenkampf, ritualisierter Schwachsinn. Ich habe noch eine Tonaufnahme vom 1. Mai 1987, bei der sich mir immer noch die Nackenhaare aufstellen.

Wie oft saß ich später vor jüngeren Kollegen, die mit dem Hass nicht klar gekommen sind, der ihnen entgegen schlug. Noch heute habe ich den Blick der Kollegin vor Augen, als ich in der Kette der Demonstranten an der Adalbertstrasse stand und sagte: „Ey, Ampel ist grün, wir können nach vorne laufen!“ Keine Kipping, kein Ströbele, keine Kühnast und auch nicht Jost oder Maaß, wissen was in Deinem Kopf vorgeht, wenn Du das Knallen von Mollies, die Schreie, das gellende Pfeifen, die zuckenden Lichter, das Wippen des Wagens, das Prasseln aller nur erdenklichen Geschosse, bengalisches Feuer auf der Windschutzscheibe hast oder es neben Dir einschlägt. Wenn ein Kollege neben Dir anfängt durchzudrehen, oder Du versuchst Deine Panik in der Zivilkiste zu unterdrücken, wenn sie anfangen dich auseinander zunehmen und die Steine in Dein ungeschütztes Auto fliegen. Sie wissen nicht was Du am Tage denkst, wenn eine Frau mit Hygieneproblemen Dir vor die Füsse kackt oder mit einem Zauberstab um Deinen Gruppenwagen tanzt und Dich verflucht. Wenn Aktivisten zwischen Altglascontainer „kacken“ oder besoffen mit dem nackten Kopf in das Schild hinein rennen.

Nun, wir werden alle älter … Gegenhalten ist nicht die Antwort auf alle Fragen. Es muss doch auch noch Menschen mit Verstand geben. Aber mit Verlaub, weder die Politiker, welche jetzt mit einem Mal aus Tasche kommen und ein paar freie Tage spendieren, noch einer der plötzlich härtere Umsetzung fordert, noch Politikerinnen die von der Provokation seitens der Polizei sprechen – also quasi aus einer Zeitmaschine entflohen sind, braucht jemand. Lasst uns einfach direkt von Angesicht zu Angesicht miteinander reden.

Polizisten haben auch eine politische Seite und Vorstellungen. Ernsthaft? Es muss doch da im linken Spektrum auch noch normal denkende Menschen geben. Die Trash – Kiddies, die glauben mit dem Anzünden von Bahninstallationen, oder irgendwelche Vollhonkaktionen die Weltrevolution zu starten, können doch nicht alles sein. Ein paar von Euch sind doch auch in die Jahre gekommen und wollen immer noch das gemeinsame alte Ziel.

Bisweilen frage ich mich … sind denn nur noch Irre unterwegs. Vielleicht könnten ja mal die Leute aus dem normalen Umfeld nach vorn treten und sich unterhalten. Ich glaube das könnte helfen.

Prost … Zigaretten und Jim Beam ist alle …

 

 

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