Digitale Prüderie

Nachdem Facebook einen Post von mir blockierte, in dem ich anlässlich des Films „Gimme Danger“ von Jim Jarmusch das Lied „I wanna be your Dog“ von Iggy Pop verlinkte, wurde ich stutzig. Zunächst erst einmal wurde der Beitrag geblockt und im zweiten Schritt konnt ich mich gegenüber dem „Support“ rechtfertigen. Dies bedeutet, dass zunächst einmal lediglich ein Algorithmus über Kunst und Anstoss entschieden hat. Erst danch setzt sich irgendein Mensch damit auseinander, den ich nicht kenne … ich nenne ihn mal homo support.
Mir fielen kleinere „Aufreger“ der vergangenen Jahrzehnte ein. Seien es die BLOODHOUND GANG mit ihrer Hommage an die Pornodarstellerin Chasey Lane, Led Zepplin mit der musikalischen Interpretation eines Koitus im Lied „Whole Lotta Love“, der Protest der ROLLING STONES gegen ihre Plattenfirma DECCA mit dem Lied „Cocksucker Blues“ oder die Texte von Ginsberg, die vor einem amerikanischen Gericht verhandelt wurden. Ich musste auch daran denken, wie Henry Miller jahrelang mit seinen Büchern der Zensur unterlag. FACEBOOK spricht selbst in ihren Geschäftsbedingungen von der Rücksichtnahme gegenüber den Befindlichkeiten anderer USER. All die genannten, und noch sehr viele mehr, haben protestiert und versucht diese „Befindlichkeiten“ als gesellschaftliche Heuchlerei, Verlogenheit und schädliche Borniertheit zu entlarven. Wie schrieb doch einst Charles Bukowski über Arschlöcher? Jeder hat eins, Menschen, Tiere, einfach alle, also warum sollte man nicht drüber schreiben. Ginsberg prangerte die Verklemmheit an, die zur Diskriminierung der Schwulen führte. Miller demontierte das Bürgertum, in dem er die dunklen Seiten ins Licht zerrte. Unvergessen auch Frank Zappa, der die Sado – Maso – Szene in den USA auf den Zahn fühlte und sich darüber wunderte, wie Heranwachsende nach Bobby Brown in Diskotheken tanzte. Er konnte nicht nachvollziehen, das die nicht verstanden, was eine Goldene Shower – Natursekt Party ist.

Es ist kein Geheimnis, das die USA als kulturelle Nachfahren von europäischen Sektierern häufig an ihrer verlogenen Moral ersticken. Da haben die Kongregationalisten der „Mayflower“ nachhaltig für gesorgt. Interessant ist, wie dieses nun digital unkommentiert auf den alten Kontinent zurück schwappt. Erneut beweist sich der alte Spruch: „Kann die Ente nicht schwimmen, muss das Wasser schuld sein!“ Hate Speech, Fake News, Rassismus, Sexismus und Pornografie sollen mittels digitalen Programmen und Gesetzen bekämpft werden, anstelle die Frage aufzuwerfen: „Wo kommt es denn her?“ Ist nicht eben gerade die verlogene Moral des Bürgertums die Hebamme?

Wer sich nicht hinter den Illusionen eines Patriotismus, einer Religion, verkorkster sexueller Moral und political correctness versteckt, ist nicht sonderlich anfällig für Rassimus, Hass auf Fremde, Verklemmtheit und Bigotterie. Gebildete Menschen, die logisches und analytisches Denken gelernt haben, fallen eher selten auf Fake News herein. 

Dann sollte doch eher dort angesetzt werden. Sollen sich doch alle Dumpfbacken auf Facebook outen, dann sehen wir wenigstens wo die Problemfelder liegen. Ich bekämpfe eine Geschlechtskrankheit nicht mit einem Verbot, sondern mit Aufklärung. Fake News sind uralt. Nur nannte man sie anders. Von Gerücht und Propaganda bis zur urbanen Legende gab und gibt es ein weites Feld. Digitale Programme, erschaffen von Nerds mit Informatikkenntnissen produzieren seltsame Ergebnisse.

Gerade Facebook, an dem Mark Zuckerberg nur noch mit 25 % beteiligt ist, in dem sich aber freundliche Investoren wie die allmächtige Goldmann Sachs Bank und der russische Gigant Mail.ru Group tummeln, also alles an Konsumentendaten abgreifen, sollte diesbezüglich hinterfragt werden. Wir haben die Moral in die Hände von ein paar wenigen smart auftretenden Machtfreaks gegeben. Da nimmt Facebook neben Midgeek, dem milliadenschweren Pornomogul einen gleichwertigen Platz ein. Diese Typen entscheiden über moralische Befindlichkeiten? Schönen Dank auch!

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Ich habe es dann mal getestet und ein Bild von Helmut Newton mit einem passenden kritischen Text gepostet. Nach sieben Minuten wurde das Bild vom Support entfernt. Prompt bekomme ich nun Kontaktanfragen junger aufreizender Frauen, die mir freizügige Angebote machen, so viel dazu. Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz entfaltet schnell seine Wirkung. Indirekt wird über die Digatilisierung ein weiterer Schritt zur Manipulation der Köpfe eingeleitet.

Es wird tatsächlich wieder Zeit für mehr PUNK, Aufstand und Rebellion.

 

 

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