Sag mir, wo Du her kommst …

In der süddeutschen Provinz sticht ein junger Mann seine ehemalige Freundin nieder und sie verstirbt an den Folgen der Verletzung. Der junge Mann stammt aus Afghanistan. Aus öffentlich nicht bekannten Gründen trat er die Flucht an. Irgendetwas ist mit ihm passiert, sodass er seine Emotionen nicht unter Kontrolle hatte und zum Täter wurde. Was mit ihm passiert ist, wird nicht diskutiert. Gesprächsthemen sind seine Flucht, das von ihm angegebene Lebensalter, ob seine Tat ein Thema für die Tagesschau ist und ob es sinnvoll ist, seine Nationalität in der Presse zu benennen.

Benjamin Jendro, Pressesprecher der GdP Berlin kommt zum Ergebnis: «Ja». Leider ist nicht nachvollziehbar, ob es sich hierbei um die Aussage der GdP handelt oder nicht, da es aber über den normalen Account kam, gehe ich von einer privaten Stellungnahme aus. Die Diskussion ist nicht neu und kommt quasi mit jeder neuen Straftat wieder auf.

Welchen Informationsgehalt hat für mich die Nationalität eines Straftäters in einer Pressemeldung? Bei einer Beziehungstat oder der Tat eines Einzelnen strebt dieser gegen Null, wenn die Nationalität nicht ursächlich war. Wenn jedoch eine Serbin ihren aus Bosnien stammenden Ehemann tötete und als Grund vor Gericht angäbe, dass ihre Ehe aufgrund dieses Umstandes final scheiterte, würde mich dies interessieren. Eine außereheliche Affäre würde mich hingegen langweilen.
Sicherlich wäre es auch bemerkenswert, wenn ein US – Amerikaner von Deutschen Staatsgebiet aus für die Russen spionieren würde. Ich denke, das Prinzip ist klar. Die Nationalität ist immer dann von Bedeutung, wenn sie in irgendwie einen Informationsgehalt für die Straftat hat.

Oftmals interessiert mich vielmehr der Name, der mir leider seitens der Presse nicht genannt wird. Zum Beispiel werden die Namen der Mafia – Familien aus Santa Lucia in Italien konsequent verschwiegen. Gleichermaßen verhält es sich mit den Namen der Mhallami – Clans, für den die Straftäter arbeiten. Beide Gruppierungen beschäftigen Täter unterschiedlicher Nationen.

Ein Kommentator unter dem Tweet von Herrn Jendro fordert die Benennung des Migrationshintergundes. Mal abgesehen von der Gräuslichkeit dieser Wortschöpfung, bringt mich die Information in der Regel nicht weiter. Ich habe Kollegen der Generation Boat – People. Was soll ich zu dem sagen? Typisch, ihr Vietnamesen vergesst immer Papier am Kopierer nachzulegen. Oder was ist mit den Töchtern und Söhnen amerikanischer GI`s? Dann wären da noch die Polen, Türken, Jugoslawen … ich lebe in Berlin, da wird die Sache schnell unüberschaubar. Wie gesagt, wenn es sich nicht um Kollegen handelt, sondern um Straftäter, interessiert mich ausschließlich die Gang – Zugehörigkeit. Mir ist schon klar, dass der Kommentator an dieser Stelle das Gesicht verzieht, weil ich einfach nicht begreifen will, worum es geht. Er würde gern die Flüchtlinge und Araber benannt haben -aber so funktioniert die Welt leider nicht.

Wir leben in Deutschland und sind in Sachen Nationalitäten, Mentalitäten und fremden Kulturen gelinde gesagt ziemlich ignorant. Berliner gehen erfahrungsgemäß zum Asiaten essen und die stellen sich darauf per Karte ein, in dem sie mal eben einen gesamten Kontinent abdecken. In Folge dessen bestellen wir beim Thailänder ein laotisches Essen, welches in der Küche von freundlichen Tamilen gekocht wird und von einem Libanesen ausgeliefert wird. Inder finden auch nichts dabei, Sushi zu produzieren.

Ähnlich verhält es sich mit Journalisten. Spätestens als ich einen Mord unter Belgrader Einbrechern des Zemun -Clans bearbeitete und die BZ titelte: «Mord unter Hütchenspielern», wurde mir das klar. Die Nationalität kann, aber muss nicht informativ sein. Ein versierter Journalist könnte dieses entscheiden. Finde den Fehler! Ohne jemanden zu Nahe treten zu wollen, aber die wenigsten können heute zwischen Mafia, Camorra oder `Ndrangheta unterscheiden, wissen etwas über die «Schwarze Axt», haben Kenntnisse über die Zusammenhänge bezüglich Tschetschenen, Dieben im Gesetz und russischen Bandenstrukturen, oder haben sich mit der sogenannten Weißen – oder Roten Mafia in Rußland beschäftigt.

Geht es den Leuten überhaupt um Nationalitäten und Informationsgehalt? Ich denke nicht! Sie wollen ihre seitens der Rechtspopulisten erzeugten Ressentiments befriedigt haben. Nein liebe Rechtspopulisten, diesen Etappensieg sollte Euch niemand gönnen, schon gar nicht Journalisten der ernst zu nehmenden Publikationen. Den Schreiberlingen diverser Wurstblätter und Internetseiten, die eher als Datenmüll zu bezeichnen sind, als das sie einen echten Informationsgehalt aufweisen, ist ohnehin alles zuzutrauen, die erfinden im Zweifel eine Nationalität.

Fazit:

Die Nationalität kann, ebenso wie der Beruf, das Alter, die Religion oder der Familienstand eine Information darstellen, aber nicht zwingend. Wenn sie nur erwähnt wird, um Ressentiments zu schüren, ist sie fehl am Platz. Vor allem ist zu berücksichtigen, welche Intention verfolgt wird. Bevor das in die Schieflage gerät, gilt der Grundsatz: Im Zweifel nie! Ich persönlich habe kein Vertrauen in den BILD, WELT oder FOCUS Leser (nicht abschließend, wäre vielleicht mal eine Liste wert), deshalb entscheide ich mich dagegen.

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