Die „Neue Rechte Bewegung“ u. die Konservative Revolution

Viele, ich eingeschlossen, wettern über die aufkommenden «Neuen Rechten» und die von ihnen geforderte «Rechtskonservative Revolution». Bei der Kritik, dem Gegenhalten und allem was dazu gehört, geht meiner Meinung nach einiges Durcheinander und führte durch die Unschärfe ins Leere.

Mir stellt sich zunächst die Frage: Wo wollen die eigentlich hin? Welches große Muster steckt dahinter?

Bei dieser Frage stellte ich fest, dass das gar nicht so einfach zu ermitteln ist, da vieles zwischen den Zeilen steht bzw. in letzter Konsequenz nicht gesagt wird. Zum Beispiel wird eine Grenze gefordert, aber es wird offengelassen, wie diese Aussehen soll oder wie diese verteidigt wird. Es wird von Massenabschiebungen geredet, doch keiner sagt konkret, wie die Durchführung vonstattengehen soll. Nehme ich alle Aussagen zusammen, läuft alles auf eine Republik hinaus. Republik bedeutet zunächst einmal nur, dass es keinen Monarchen an der Spitze gibt. Dieser wird ersetzt durch eine, oder mehrere Personen, eine Clique oder andere denkbare Konstrukte, die sich dem Volk gegenüber verpflichtet fühlt oder fühlen. (Die AfD legt auf den Passus „dem Volk verpflichtet“ verdächtig viel Wert.)
Von Demokratie ist dabei noch nicht die Rede. Das föderalistische System scheint ihnen ebenfalls ein Dorn im Auge zu sein. Diverse Vertreter haben sich dazu auch schon geäußert. Vertreter bedeutet nicht, dass sie Mitglieder der AfD sind. Die AfD ist für mich nur ein Teil einer größeren Bewegung.

Sie verfolgen die Idee, dass sich in dieser Republik Deutschland kleinere Einheiten befinden, in denen die zugehörigen Bürger einen Vertreter auf Zeit wählen. Dieser ist dann wiederum wahlberechtigt für eine Regierung. Das Volk ist also nicht mehr unmittelbar an der Wahl der Regierung beteiligt. In diesen kleinen Einheiten bestehen gewisse Rechte für die Strukturierung und Lösung lokaler Probleme, die wesentlichen Teile werden aber von der Regierung bestimmt. Die Regierung kann aber plebiszitäre Elemente einfügen, bei denen das Volk in seiner Gesamtheit abstimmt. Fraglich ist, wie weit diese Fragestellungen gehen und wer sie formuliert.

Dabei fällt mir spontan der Kommunikationsgrundsatz aus der Führungslehre: Wer fragt, der führt!, ein. Geschickt formulierte Fragen, können ein mächtiges Steuerungselement sein.

Fakt ist dabei, dieses System ist vom Grundgesetz her nicht vorgesehen. Wie wollen diese «Neuen Rechten» dieses umsetzen? Ohne Gewalt kann das nicht funktionieren, da das Grundgesetz diverse Abwehrmechanismen besitzt. Die AfD besteht darauf, dass sie lediglich die Forderungen des Grundgesetzes umsetzen wollen. Trotzdem werden auf Veranstaltungen immer wieder Leute eingeladen, die aus anderen Bereichen der Bewegung stammen und genau das Beschriebene einfordern. Da passt etwas nicht zusammen.

Herr Dr. Gauland bezieht sich auf eine alte Rhetorik.

Regeln müssen für alle gelten. Lasse ich eine Ausnahme zu, fangen andere an, diese Ausnahme für sich ebenfalls zu beanspruchen. Basierend auf diesem Satz, mit dem er sich meiner Meinung nach als Prinzipienreiter outet, fordert er die Ausweisung aller Personen, selbst wenn diese sich integriert haben, aber ihre ursprünglichen Voraussetzungen für einen Aufenthalt nicht korrekt waren. Ich will dieses hier nicht kommentieren, sondern zunächst nur festhalten.
Jeder weiteren Frage bezüglich des Prozedere weicht er aus und verweist darauf, dass dieses nicht sein Problem bzw. Aufgabenstellung wäre, dafür ist die Exekutive zuständig. Gleichermaßen betrachtet er das Grenzthema. Die Grenze hat gefälligst geschlossen und sicher zu sein, die Umsetzung dieser Forderung verweist er an die Bundespolizei. Ob dieses das nun mit Zäunen, Mauern, Schusswaffengebrauch, Streifen oder sonst irgendwie umsetzt, entzieht sich seiner Auffassung (Konservativ) seinem Aufgabenbereich. Er sieht sich dabei offensichtlich als eine Art General, der anordnet, dass eine Stellung zu halten ist, wie die nachgeordneten Streitkräfte dieses ermöglichen, ist ihm egal.

Das ist nicht nur konservativ, sondern auch militärstrategisches Denken. Ich habe einen Feind (der illegale Einreisende oder bereits eingereiste Ausländer), ich habe eine Streitmacht (die Bundespolizei, Polizei, Bundeswehr) und ein Etappenziel (Abwehr, Ausweisung), welches mich meinem Ziel «Sieg» (von ungewollten Ausländern freies Deutschland) näher bringt. Ein General darf nicht ethisch/moralisch denken oder sich dem unmittelbaren Elend aussetzen, da er sonst nicht mehr dazu in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen. Wenn zum Beispiel ein taktischer Hügel einzunehmen ist, wird eine Analyse der zu erwartenden Verluste unter den Soldaten einkalkuliert, bis zu einer gewissen Quote gilt die Operation als durchführbar und kann auch als Sieg betrachtet werden. Es erscheint mir nicht verwunderlich, dass sich einige Militärs der AfD zugeneigt fühlen. Anzumerken ist dabei, dass Herr Dr. Gauland noch nie in seinem Leben der potenziellen Verlustquote angehörte.

Die «Neuen Rechten» betrachten die Welt nicht als einen Lebensraum für Menschen an sich, sondern ihrer Auffassung nach ist sie in Territorien unterteilt, in denen sich gleichgesinnte, ähnlicher genetischer Herkunft und gemeinsamer Kultur ansammeln.

Ihrer Auffassung nach, ist es nicht möglich, aus einem Nigerianer mittels Sozialisation einen Menschen zu machen, der die «Deutsche Kultur» annimmt und im Gegenzuge ist es einem Deutschen nicht gegeben, sich der Kultur eines Nigerianers anzupassen. Mit anderen Worten sie akzeptieren nicht den Begriff «Mensch», sondern nehmen unterhalb noch eine (Ein)Teilung vor. Das Eine (der Mensch) wird geteilt und kategorisiert. Eine dieser Kategorien heißt – das deutsche Volk. Der Philosoph Nietzsche kam seinerzeit schon zur Auffassung, dass dieses ein uraltes Problem der «Deutschen» ist, dass sie gar nicht wissen und es auch niemals herausfinden werden, was denn eigentlich dieses «Deutsch» sein soll.

Hier ist die AfD wieder im Boot und einige gemäßigte Konservative, die nicht zu den «Neuen Rechten» gehören oder zumindest nicht wollen, sprechen ebenfalls vom «Deutschen Volk» und versuchen eine (Leit)Kultur auszumachen, die von diesem Volk ausgeht. Es kann also mehrere Kulturen unterhalb dieser einen geben, aber sie müssen sich im Wesen nach der Leitlinie orientieren. «Neue Rechte» und Konservative definieren sich über die (Rück)Besinnung und die Orientierung an alt hergebrachten Werten. Leider bleiben die meisten eine Auskunft schuldig, wie weit ihre Rückbesinnung geht. Sollen es die christlichen Werte sein? Das Christentum kennt nur Religionsgrenzen, jedoch keine nationalen Grenzen. Die deutschen Philosophen streiten bzw. kritisieren sich in unterschiedlichster Form über die Werte, das Wesen des Menschen und die Umsetzbarkeit. Nicht einmal der «Kategorische Imperativ» von Kant bleibt davon verschont. Bei meinen bevorzugten Philosophen Nietzsche und Schopenhauer würde zum Beispiel die CDU mit dem «Christlich» im Parteinamen auf Granit beißen.

Konsequenterweise kann es also nur darauf hinaus laufen, dass seitens einer übergeordneten Institution jenseits der Philosophie, christlicher Religion eine leitende Kulturvorgabe aufgestellt wird, eine Art (Rahmen) Vereinbarung innerhalb derer sich alle zu bewegen haben. Wie genau dieser begrenzende Rahmen auszusehen hat, kann wieder einmal nur zwischen den Zeilen ermittelt werden.
Die AfD hat etwas gegen Alleinerziehende, also einem Lebensmodell, welches sich innerhalb der modernen Zeit entwickelt hat. Bei genauerer Betrachtung steckt da mehr dahinter. Die Familie/Sippe als die berühmte Kernzelle der Gesellschaft. Ein altes Modell für die Altersversorgung, Weitergabe von Sach- und Finanzwerten und traditionalisierter Verhaltensweisen und Anschauungen. Im Arbeitermilieu ist einiges dabei obsolet. Oftmals fällt die Weitergabe von Sachwerten weg, die innerfamiliären Traditionen sind nicht selten eher zweifelhaft und sich als Arbeiter darauf zu verlassen von seinen Nachkommen versorgt zu werden ist auch ein hohes Risiko. Die Familie ist also eher ein für das Bürgertum vorteilhafter Umstand.

Wen wundert es dabei, wenn viele aus der AfD genau dort herkommen? Doch was haben sie mit den anderen vor? Wo bleibt das Proletariat?

Im Nationalsozialismus war das Proletariat die zu lenkende Masse, eine Masse die mit dem politischen Geschehen, wenig zu tun hatte. Hier schließt sich für mich der Kreis zur Republik. Wie forme und lenke ich eine Masse? Ich gebe ihr eine gemeinsame Kultur und forme sie zu einem homogenen Volk, mit einem gemeinsamen Ziel. Habe ich das erreicht, kann ich dieser Masse auch beruhigt Fragen stellen.

Goebbels hat das in seiner Sportpalastrede eindrucksvoll vor gemacht. «Wollt ihr den totalen Krieg?» «Ja!».

Jede Einheit bei der Polizei und der Bundeswehr, insbesondere Spezialeinheiten, funktionieren so. Den Mitgliedern wird ein gemeinsames Motto eingepeitscht, an dem sie sich trotz ihrer charakterlichen Unterschiede orientieren können. Ich kenne eine Einheit, die sich zum Beispiel das Motto: Lieber stehend sterben, als knieend Leben!, gegeben haben.
Nebenbei einer dieser Treppenwitze der Geschichte. Das Motto stammt aus dem Spanischen Bürgerkrieg und wird der Partisanin Dolores Ibárruri zugeschrieben, die den anrückenden Faschisten entgegenrief: «Die kommen nicht durch!» Der jüngeren Generation wurde dieses Motto aber eher durch die ehemals (man muss auch einen Wandel respektieren) rechtsgerichtete Rockband Böhse Onkelz bekannt.

Ich schlussfolgere also, dass sich eine Gruppe zu einer regierenden Schicht in einer Republik aufschwingen will, die sie mit einer vorgegebenen Kultur und Philosophie prägen will. Teil dieser Kultur ist die Feststellung, dass die Menschheit eine Unterteilung benötigt und diese von der Natur auch vorgegeben ist.
Um ihren Siegeszug anzutreten, benötigt diese Elite ein Instrumentarium diese Ziele umzusetzen. Eines dieser Mittel ist die Sprache und die Verbreitung dieser Sprache über die digitalen Netzwerke. Menschen können nur mittels der Begriffe denken, die sie zur Verfügung haben. Vor allem muss ich von diesem lästigen «Menschen» weg, der individuelle Rechte hat und muss allgemeine Begriffe finden. Jeder Bauer mit Vieh weiß, dass es eine extrem blöde Idee ist, einem Schlachtvieh einen Namen zu geben. Die Kuh «Katja» wird gegen den zornigen Widerstand der Kinder niemals geschlachtet werden, sondern vor Altersschwäche umfallen.

Mit diesen Kriterien im Kopf schaue ich mir die «Neue Rechte», die Konservativen und die AfD an. Der junge Abdallah, welcher tränenreich von seiner Familie im Ergebnis einer furchtbaren Entscheidung aus einem Kriegsgebiet auf die Reise geschickt wurde, um für die Familie den maximalen Erfolg herauszuholen (eigentlich eine sehr konservative Einstellung) ist da eher hinderlich. Der zwanzigjährige Marokkaner, welcher via Internet und Touristen festgestellt hat, dass die Welt auch anders aussehen kann und wenn er eine Chance haben will, er sein Land verlassen muss, passt dabei auch nicht ins Bild. Solche Geschichten überlässt man lieber Hollywood (Der Pate, Gangs of New York, Scarface pp.) oder der europäischen Geschichte, als z.B. die Deutschen im Rahmen einer aufkommenden Hungerskatastrophe vermehrt in die USA auswanderten. (Welche sich nach Aussagen von Zeitzeugen als nahezu integrationsunfähig erwiesen) Solche Sachen sind nicht zielführend.

Strategisch sinnvoll sind Begriffe wie «Flüchtlinge», «Wirtschaftsflüchtlinge» oder Ableitungen aus der Biologie, wie Herr Höcke sie benutzt. Er befindet sich dabei in der Tradition der NPD, die immer das «Argument» einbringt, dass bei der Paarung eines Esels mit einem Pferd ein unfruchtbarer Muli herauskommt. Doch warum das Rad neu erfinden, wenn es für diese Rhetorik bereits geniale Vordenker gegeben hat? Bei allen Ressentiments war Dr. Joseph Goebbels auf seinem Gebiet brillant. Er war, wie viele in der AfD auch, ein mittelmäßiger Akademiker, der sich unverstanden und unterbewertet fühlte. Erst der Nationalsozialismus verschaffte ihm den Durchbruch zusammen mit Gleichgesinnten. Er erkannte, was man mit Sprache alles machen kann, wenn es um das Lenken von Massen geht. Ich denke, er wäre vor Begeisterung im Dreieck gesprungen, wenn man ihm Möglichkeiten wie Youtube, Facebook und Twitter gegeben hätte.

Der Zeitpunkt lässt sich nicht bestimmen, aber zu irgendeiner Zeit haben die «Neuen Rechten» mehrere Dinge erkannt. Zu allererst erkannten sie die Wirkung von Musik. Dies war die Geburtsstunde des Rechtsrock. Anfangs versuchte der Verfassungsschutz noch, diese Bewegung einzudämmen. Die Unternehmungen waren aufgrund der explosionsartigen Verbreitung nicht erfolgreich. Die Band «Landser» schwärmt wahrscheinlich von den alten Zeiten, als sie sich mit der Polizei noch ein Katz und Maus Spiel lieferte.
Es folgte die Übernahme der «linken» Kampfstrukturen, und die Geburt der Nationalen Front, als Gegenveranstaltung zum «Schwarzen Block». Hieraus entwickelten sich die dezentralisierten klandestinen Strukturen, die dem Verfassungsschutz immer noch Schwierigkeiten bereiten. Ein Ausfluss davon ist die NSU. Doch die «Neuen Rechten» lernten noch mehr von der anderen Seite: Den politischen Aktivismus. Das Anbringen von Bannern, die Stürmung von Veranstaltungen, gezielte öffentlich wirksame Aktionen waren zuvor Greenpeace, den GRÜNEN und linken Gruppierungen vorbehalten.
Nach und nach entwickelte sich aus den einzelnen versprengten Gruppen eine Bewegung, deren Potenzial von vielen erkannt wurde, die sich vorher noch abgeschreckt gefühlt hatten. Wer will sich einen Höcke bei der Wehrsportgruppe Hoffmann beim Kriechen durch den Wald vorstellen? Die Rechten bestanden aus lauter Einzelgruppen, die nicht miteinander konnten. Wehrsportgruppen, die Wiking – Jugend, die Rechtsrocker, schlagende Burschenschaften, rechtsgerichtete Unternehmer, frustrierte Juristen, mittelmäßige Akademiker … es fehlte am gemeinsamen Nenner.

Doch ich komme nochmals auf den theoretischen Überbau und das Ziel zurück.

Die Masse wird allgemein als nicht sonderlich intelligent betrachtet. Da machen alle Theoretiker, ob sie nun von links oder rechts kommen, keinen Unterschied. In nahezu allen großen Theorien wird die Gefahr gesehen, dass sich die Masse Führer sucht. Das weiß auch ein Herr Dr. Gauland. Und wenn er Volksabstimmungen fordert, geht er davon aus, dass die Masse vorher mittels Propaganda in die, seiner Auffassung nach, richtige Richtung, gelenkt wurde. Alles andere kann er jemanden erzählen, der sich die Hose mit der Kneifzange zu macht.
Es ist die zentrale Diskussion, ob eine Demokratie überhaupt auf Massen anwendbar ist. Die «Neuen Rechten» formulieren ein klares «Nein!» Demokratie kann nur in kleinen Gruppen funktionieren, die über Dinge abstimmen, die sie unmittelbar betreffen, darüber muss eine Funktion bestehen, die sich dem Wohl des gesamten Volkes verpflichtet fühlt und Entscheidungen für dieses Volk trifft. Leuten die in einer Behörde arbeiten, wird das sehr bekannt vorkommen.

Es ergibt sich aber ein Problem! Ich muss verhindern, dass diese leitende Funktion von Leuten eingenommen wird, die unter Umständen kompetenter und intelligenter sind, als ich. Intelligenz muss eingedämmt werden, denn eine Vergeistigung führt zu Schwäche. Intellektuelles linkes Denken schwächt das Volk in seiner Widerstandskraft gegen andere Völker. So jedenfalls der Tenor der „Neuen Rechten“.

Mal etwas weiter hergeholt, kostete dies Sokrates das Leben. Einer seiner Schüler verlor beim ständigen Hinterfragen der Dinge den Verstand und begann zu trinken. Dummerweise handelte es sich um den Sohn einer höher gestellten Persönlichkeit, woraufhin es zum bekannten Prozess kam. In Preußen wurde dies erkannt, in der Kaiserzeit wurde die Intelligenz massiv bekämpft, es kam zu einer kurzen legendären Epoche Zwanzigerjahre und der Rest ist bekannt.

Ich formuliere mal meine Auffassung ebenfalls militärisch. Diese neue rechte Bewegung besteht aus unterschiedlichen Armeen, die sich vorübergehend zu einer Allianz zusammengeschlossen haben, um einen gemeinsamen Feind zu bekämpfen. Ich formulierte es letztens schon einmal. Die Begriffe links und rechts stammen aus der Zeit bevor Napoleon aus dem Exil wieder kam. Links saßen diejenigen, welche eine Innovation forderten und rechts die Vertreter, die alles beibehalten wollten.
Die Antworten nach 1945, erst recht die der aktuellen Zeit, auf die globalen Entwicklungen, passen nicht ins Weltbild und zur Auffassung über das menschliche Wesen, dieser Leute.
Mit der «Rettung des Abendlandes» haben sie es eigentlich ganz gut getroffen. Machen wir uns nichts vor, eine der am längsten existierenden Machtstrukturen ist immer noch die Katholische Kirche. Unterhalb von Gott kommen die von Menschen gemachten Machtstrukturen und auf der untersten Ebene befanden sich früher die Bauern, heute sind es die Lohnabhängigen, welche als Spielmasse fungierten. Geeint wurden sie mittels des gemeinsamen Glauben. Der Glaube hat in vielen Bereichen seine Bedeutung verloren, da bedarf es eines Ersatzes: Nationalismus, Patriotismus, und ein homogenen «Deutschen Volks», welches über eine überlegene und erfolgreiche Kultur verfügt. (Der Herrenmensch bzw. Herrenrasse ist auch aus der Mode gekommen – überlegene Kultur klingt viel schöner!»)

Was wird passieren, wenn die unterschiedlichen Armeen ihren gottlosen «Feind» niedergerungen haben? Das ist die große Frage, die sich die Strategen vom rechten Flügel der CSU/CDU entweder noch nicht gestellt oder siegesgewiss beantwortet haben. Mich persönlich beunruhigt dabei die historische Parallele in der Weimarer Republik. Die Zentrumspartei hatte ein ähnliches Kalkül und scheiterte am Ende. Lieber Herr Dobrindt, ihre Idee der «Konservativen Revolution» kann böse ins Auge gehen.
Seitens der Allianz wird die Bewegung der 68 ziger, als Geburtsstunde der feindlichen Armee ausgemacht. Da lohnt sich eine kurze Betrachtung. In Deutschland waren an den Universitäten unzählige Professoren aus dem Dritten Reich anwesend. Die anderen waren geflohen und hatten wenig Sinn dafür wieder zurückzukommen, bzw. waren ihre Lehrstühle von ehemaligen Nazis besetzt worden. Sie engagierten sich zum Leidwesen der US amerikanischen Konservativen lieber in den USA.
Aus dieser Bewegung gingen sehr unterschiedliche Personen und Ansichten hervor. Im gewissen Sinne hätte eine Galionsfigur, wie Rudi Dutschke bei modernen Konservativen (wenn es denn so etwas gibt) einige Sympathien erzeugen müssen. Immerhin stand er ausdrücklich zum christlichen Glauben und entwickelte auch einen Nationalismus.

Doch um solche Dinge geht es den «Neuen Rechten» meiner Meinung gar nicht. Ihnen ist das alles schlicht und ergreifend alles zu kompliziert. Man kann nicht über alles diskutieren, irgendwann muss auch mal einer sagen, wo es lang geht – ergo Sie!

Ich hatte mal einen Klassenlehrer, der uns über das nächste Ausflugsziel am Wandertag diskutieren ließ. Nach 10 Minuten unterbrach er die Diskussion mit den Worten: «Ich sehe, sie werden sich nicht einig, ich habe da mal etwas vorbereitet!»

Meiner Prognose nach, werden sie auf längere Zeit die Schlacht gewinnen, aber es wird ein Pyrrhussieg werden. Doch da sind wir noch nicht. Noch haben sie nur formuliert die divergente Gesellschaft in ein homogenes «Deutsches Volk» mit einer «Leitkultur» «Gleichzuschalten». Bisher verfolgen sie nur Bestrebungen eine Republik jenseits der repräsentativen Demokratie einzusetzen, die von einer elitären Machtclique gesteuert wird. Zur Zeit erleben wir nur Angriffstaktiken: Sprache, gemeinsames Motto, Außenfeind erzeugt innere Einigkeit, Panikmache, Erzeugen von Stereotypen und Ausbau der Opferrolle.
Ich stimme Sahra Wagenknecht zu, wenn sie als taktische Antwort eine geeinigte Gegenbewegung auf der linken Seite fordert. Wieder eine Parallele zu Weimar. Genau das forderte damals die KPD von der SPD. Die einzige strategisch und taktisch gut aufgestellte Truppe auf der linken Seite sind die Kommunisten. Doch jeder Demokrat weiß, dass er damit vom Regen in die Traufe kommt. Alle anderen auf der linken Seite haben ein sich zwingend ergebendes Problem. Während die Konservativen und Rechten auf scheinbar alt Bewährtes zurückgreifen, dem sie die angeblich die Spitzen geschnitten haben, haben die offenen Linken sehr unterschiedliche Ideen.

Einen Kandidaten habe ich bisher nicht berücksichtigt. In das Getümmel wird irgendwann die Wirtschaft eingreifen. Die Seite, welche von ihr den Zuschlag erhält, wird gewinnen. Für mich ist sie der Hoffnungsträger. Was soll die Wirtschaft mit geschlossenen Grenzen anfangen? Sie verdient an jeder Krise, an jedem Krieg und an jedem Arbeiter, völlig egal, wo der geboren wurde, oder welcher Religion er zugehörig ist. Schlimm wird es, wenn sie den Plan aufmachen, dass ausgelagerte Sklaven effektiver sind. Anders formuliert, es zu einem neuen Kolonialismus kommt. Der griechische Wirtschaftswissenschaftler Yanis Varoufakis nennt dies «Schulden – Kolonialismus», vermutlich hat er sich deshalb auch mit Oskar Lafontaine und Wagenknecht zusammengeschlossen. Wie beschrieben, ich persönlich glaube, dass in diesem Fall die «Neuen Rechten» eine echte Chance bekommen.

Bis dahin kann man aber noch wenig kämpfen und die Stirn bieten. 

 

 

 

 

 

 

 

 

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5 Gedanken zu “Die „Neue Rechte Bewegung“ u. die Konservative Revolution”

    1. Ich denke die Aussage ist klar. Prinzipiell hat die Bundestagswahl, trotz Wahl einer repräsentativen Partei einen „direkten“ Charakter. Die Republik mit Wahl nur auf Regionaler Ebene ist dann doch etwas anderes.

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  1. Nun möchte ich mal wieder meinen Senf zum Thema abgeben 😉
    Unsere parlament. Demokratie ist ja Ausfluss von historischen Erfahrungen. Die Väter des GG hatten sich gedacht Volkes Meinung mal lieber gewählte Vertreter zwischen zuschalten, diese wählen je nach Mehrheitsverhältnis die Regierung und innerhalb der Bestimmungen der Verfassung die Gesetze. Ich finde sie waren da zu Recht vorsichtig mit z.B. Volksabstimmungen, nichts ist schliesslich so manipulierbar wie die öffentliche Meinung.
    Unser System ist natürlich nicht fehlerfrei, trotzdem ganz gut. Gut vor allem weil (hoffentlich) mit Vernunft anpassbar.
    Warum dieses System nicht fehlerfrei ist liegt ganz einfach auf der Hand. Es wird von Menschen gelebt und die allerwenigsten von ihnen sind edel, hilfreich und gut, vor allem dann nicht wenn es um Macht/ Besitz und Ego geht. Ausserdem hatten Menschen seit Gründung der Bundesrepublik Zeit die Schwachstellen des Systems auszuloten und zu besetzen.
    Fragen hierzu die ich mir stelle sind: Wieviel entspricht das was wir denken zu wissen (weil darüber so oder so berichtet wird) der Realität und inwieweit hat die eigene Meinung noch mit der Wirklichkeit zu tun? Wer entscheidet was, worüber und in welcher Form berichtet wird? Die Macht der Bilder und der Worte!
    Wie weit geht der Einfluss von wenigen Superreichen, Banken, Industrie, Medienwirtschaft, in einem zugegebenermassen geschicktem Geflecht zueinander auf politische Entscheidungen?
    Wie weit geht Lobbyismus? Wie weit geht dabei der Einfluss auf Parteikarrieren und die Aufstellung von Kandidaten, wie weit ist der gesamte Komplex durchsetzt?
    Wer hat denn eigentlich ein Interesse daran intern. Konflikte anzuheizen, immer wieder neue und warum?
    Wer möchte die Gesellschaft hierzulande spalten in Rechte, Linke, Ökos, besorgte Bürger, Migranten, Deutsche, Parallelgesellschaft u.s.w.? Teile und herrsche!
    Wer hat eigentlich Interesse an eine schlechte Bildungspolitik für die grosse Masse der Schüler, samt mangelnden Respekt vor Lehrern – der zu Lernverweigerung führt?
    Warum besteht ein Interesse die Menschen hin zu Smartphone, Internet, Erlebnis und Konsumjunkies zu sozialisieren, die Selbstverwirklichung und das Eigene voranstellen ohne Zusammengehörigkeitsgefühl?
    Bei vielen dreht sich doch alles nur noch um das Vorankommen im Job, den nächsten Urlaub, Auto und irgendwelchen Kram den eigentlich niemand braucht?

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    1. Danke für diesen ausführlichen Kommentar, dem ich nur in Gänze zustimmen kann. Es holt einen immer wieder aus einer „negativ – Blase“ heraus, wenn man erfährt, dass sich noch andere Menschen diese Gedanken machen. Wenn sich dann mal einer auf diesen zugegeben politisch relativ unbedeutenden BLOG verirrt, bedeutet dies, dass es davon noch jede Menge andere geben muss. Manchmal läuft das hier auf eine Sendestation hinaus: Is anyone out there? Trollhaus ist calling!

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