In der Politik nichts Neues …

Der AfD Vorsitzende Gauland hat es mal wieder geschafft die Gemüter zu erhitzen, damit die Partei nicht im allgemeinen Zeitgeschehen untergeht. Manchmal glaube ich, dass die Regierung darüber gar nicht unglücklich ist, dann kümmert sich wenigstens keiner um die aktuellen ernsthaft bedrohlichen Themen. Demnächst ist WM, da haben alle noch ein wenig mehr Zeit Luft zu holen. Demnächst werde ich mal nachlesen, welche Gesetze in dieser Zeit durchgewunken werden sollen.

Das Zitat von Gauland wird aus den jeweiligen Lagern unterschiedlich interpretiert. Die Sympathisanten der AfD empfinden die Aussage nicht sonderlich verwerflich, denn Gauland habe nur ein zeitliches Verhältnis angesprochen, so gesehen fallen die paar Jahre Nationalsozialismus rein von der Anzahl aus gesehen nicht weiter ins Gewicht. Kurz: Er betrachtet die Angelegenheit quantitativ und nicht qualitativ. Das Motiv ist offensichtlich. Rechtskonservative befinden sich in einer dauerhaften Identitätskrise. Sie benötigen eine deutsche Identität, die ihnen zum einen Selbstbewusstsein vermittelt, u. sie glauben lässt, einen Tick besser zu sein, als die anderen auf der Welt oder wenigstens ebenbürtig. Ein wenig hat das etwas von dem Comic Asterix & Obelix bei den Römern, in dem Cleopatra mit dem arroganten Cäsar in Streit gerät, der das ägyptische Volk herabwürdigt. Nur ist es halt schwer, sich mit der deutschen Nationalität zu brüsten, weil einem dieser kleine Österreicher in die Suppe gespuckt hat. Wäre dieses kleine Detail nicht, könnte man sich mit dem Rest brüsten. Also muss es irgendwie weg.

Die Beschimpfung als Nazi – Partei kommt der AfD dabei rhetorisch entgegen. Per Definition können sie keine Nationalsozialisten sein, also ist alles gut, was wollt ihr eigentlich? Diese Denkmuster können nur funktionieren, wenn man den Nationalsozialismus und seine Inhalte als eine mit der Gründung der NSDAP plötzlich vorhandene Erscheinungsform in Deutschland betrachtet. Fragt man sich, wie im Laufe der Jahrzehnte, eigentlich Jahrhunderte, ein Denken entstehen konnte, dass das III. Reich mit all seinen Erscheinungen möglich machte, wird es deutlich schwieriger. Recht schnell stößt man auf Identitätskrisen, eine völkische Bewegung, Antisemitismus als gesteuerte Buhmannfunktion zur Erzeugung einer inneren Einigkeit und vieles mehr. Eben darin besteht die von der AfD ausgehende Gefahr. Sie ist weniger das gefährliche Endergebnis, als der Sherpa.

Doch mir erscheint nahezu jede inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD sinnlos. Mit den überzeugten Ideologen und Dogmatikern ist die Diskussion ähnlich fruchtbar, wie mit einer Ordensschwester über die Existenz von Gott zu diskutieren. Bleibt nur die Option ihnen das Wasser abzugraben. Dieses Unterfangen ist ähnlich schwer. Unter dem Strich geht es ohnehin um das Verhindern eines Flächenbrandes, von dem die AfD nur ein kleinen Teil ausmacht. Ein nicht geringer Teil der Bevölkerung hat Angst. Diese Ängste lassen sich nicht von der Hand weisen. Europa und die Gesellschaften werden sich ändern. Wer die alten Verhältnisse beibehalten will, hat aus dieser Perspektive völlig zu Recht Angst. Das Problem dabei besteht darin, dass der Weg nach rechts und die damit verbundenen Strategien alles noch schlimmer machen, wie es ohnehin schon ist.
Flüchtlinge lassen sich nicht dauerhaft aufhalten, da helfen keine Grenzen, verstärkte Grenzkontrollen, Zäune oder Mauern. Einzig die Beseitigung der Ursachen würde dies leisten können. Ich bin diesbezüglich Fatalist und sehe weder Bestrebungen noch echte Chancen. Für das noch Kommende ist der Zug schon vor Jahren abgefahren, den Zenit haben wir längst überschritten. Wassermangel, Klimakatastrophen, und der geostrategische Kampf um Energie – und Rohstoffressourcen wird noch viel mehr Menschen dazu zwingen sich auf die Suche nach einem neuen Lebensraum zu begeben.
Ich habe gelernt, dass mit Wunschvorstellungen jenseits der Realität keine Lösungen gefunden werden können, ich muss mich an die Erkenntnisse der Lagebeurteilung halten und darauf meinen Einsatz abstimmen. Die Aufgabe besteht darin, eine Integration und ein Zusammenleben zu organisieren. Wie auch immer wir das anstellen, es führt kein Weg daran vorbei. Sonst werden wir alle gemeinsam grandios scheitern. Der seitens der Rechten angestrebte veränderte Deutsche Staat wird dann nur noch eine Übergangsstation bis zur endgültigen Katastrophe sein.

Kein Sozialsystem kann auf Dauer die Versorgung aller leisten, wenn keiner einzahlt. Die ehemaligen Gastarbeiterkinder gehen völlig zu Recht auf die Barrikaden, wenn mit dem Finger auf sie gezeigt wird. Ohne das Zutun ihrer Eltern und ihrer selbst, würde dieses Deutschland viel schlechter aussehen. Weltweit und national läuft es immer darauf hinaus, dass es bisher kaum Versorgungsprobleme gibt, sondern die Verteilung völlig desolat ist. Hierdurch sind überall Teufelskreisläufe bei der Bevölkerungs – und Gesellschaftsentwicklung entstanden. Die Lösungsideen der Rechten haben mit einer gerechten Verteilung nichts zu tun. Im Prinzip setzen sie auf die Lösung eine Burg zu bauen und sich auf unbestimmte Zeit gegen die Belagerer zu verteidigen. Nun ja, bisher ist fast jede Festung irgendwann eingenommen worden. Alles nur eine Frage der Menge und Ausdauer der Angreifer.

Wenn irgendetwas einen Sinn ergibt, dann ist es die Unterstützung von Leuten, die Ideen für Lösungen haben, dieses Verteilungsproblem zu lösen. Das sind leider wenige und in der Regel stoßen sie auf Verschlossenheit. Wissenschaftler aller Disziplinen sagen klar und deutlich, dass die Rettung nur noch durch die Kooperation aller Industriestaaten funktionieren kann. Sonnenenergie muss dort genutzt werden, wo die Sonne scheint. Wasserkraftwerke sollen dort gebaut werden, wo der Tidenhub am höchsten ist und Windenergie muss logischerweise an den ebenfalls passenden Stellen erzeugt werden. Überall auf der Welt müssen hierzu Kooperationen entstehen, die Weiterleitung der Energie muss ohne die Berücksichtigung von Grenzen nach dem Kriterium kurzer Wege verteilt werden. Gleichermaßen müssen die Lebensmittel angepasst zur jeweiligen Region auf kurzen Wegen zur Verfügung gestellt werden, der Wahnsinn der langen Transportwege muss sofort eingestellt werden. Nicht anders verhält es sich mit der Massentierhaltung in allen Bereichen. Pläne für die Umsetzung gibt es ausreichend, politische Anführer, die dazu bereit sind, sie anzugehen gibt es keine.

Meiner Auffassung nach ergibt sich alles aus dem Umstand heraus, dass wir unsere Herkunft nicht berücksichtigen. Der Mensch ist nun einmal nichts anderes als ein Primat, der evolutionär für ein Leben in Horden konzipiert wurde. Von einer Staatenbildung und Massengesellschaft ist in der Entwicklungsgeschichte erst seit kurzer Zeit die Rede. Wie bringe ich also eine Spezies, die für ein soziales Dasein in Horden ausgerichtet ist, dazu in einer Massengesellschaft friedlich zusammenzuleben? Neben anderen Eigenschaften haben Primaten einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Die bisherigen Lösungen für diese Aufgabe sind gescheitert. Weder der Kapitalismus noch die bisherigen Auslegungen des Kommunismus haben etwas geändert.
Der neoliberale Ansatz ist ebenso gescheitert wie der Faschismus. Der Beweis ist weltweit zu sehen und die Entwicklung der Geschehnisse ist ebenfalls eindeutig. Den nordamerikanischen Indianern wird das Zitat unterstellt: „Wenn man auf einem toten Pferd sitzt, sollte man absteigen.“ Wir bleiben darauf sitzen bis es vollständig verwest ist. Ich halte das für keine schlaue Idee.

Ja, die Ängste und Sorgen sind meiner Meinung nach gerechtfertigt. Der Plan einiger Wähler, den großen Parteien mit der Wahl der AfD einen Denkzettel zu verpassen, ist unlogisch und zum Scheitern verurteilt. Die AfD selbst besitzt keinen Plan für Lösungen oder bietet welche an. In vielen Bereichen hält sie das Verleugnen der Probleme für eine gute Strategie, dass das nichts werden kann, dürfte klar sein. Ich denke, als Lucke die Partei damals gründete, war ihm das alles nicht bewusst. Nach und nach trat die die neue Rechtsbewegung an die AfD heran und unterwanderte sie. Nebenbei machen die gar keinen Hehl daraus. Nach jahrelangen eifersüchtigen Streitereien haben sie in Form der AfD eine lohnende Perspektive gefunden. Die lernen nach den langen Jahren des Scheiterns auch dazu.

Bisher sehe ich nur zwei Teilnehmer am Spiel, die einen Plan haben und das sind die multinationalen Konzerne und die Organisierte Kriminalität. Doch deren Strategien sind auf Gewinnmaximierung ausgerichtet, die können gar nicht anders. Hierzu gibt es eine Fabel von Berthold Brecht, die es auf den Punkt bringt.

Sie lautet: Ein Frosch will gerade ins Wasser springen, um auf die andere Seite eines Gewässers zu schwimmen. Da bemerkt ihn ein Skorpion. Dieser fragt den Frosch, ob er ihn auf die andere Seite mitnehmen kann. Der Frosch entgegnet, dass er Sorge hat von dem Skorpion gestochen zu werden und dann stirbt. Dieser argumentiert dagegen, in dem er darauf hinweist, dass er dann selbst auch ertrinken würde. Das leuchtet dem Frosch ein und er nimmt den Skorpion mit. Auf halber Strecke sticht ihn der Skorpion. Sterbend fragt der Frosch, warum er das getan hätte. Der Skorpion antwortet: „Weil das meiner Natur entspricht, ich kann nicht anders.“ Danach ertrinkt er zusammen mit seinem Helfer. Mehr muss man zu Konzernen und Kriminellen nicht wissen.

Was kümmert das alles einen rachsüchtigen alten Mann? Gauland hat eine Rechnung mit der CDU offen, dafür geht er über Leichen. Was die anderen umtreibt, weiß ich nicht und interessiert mich auch nicht. Ich befinde mich auch nicht in der Situation an alledem etwas zu ändern. Ich verschaffe mir nur eine eigene Genugtuung. Sollte ich jemals Enkelkinder haben, die meine Töchter fragen: „Was hat Opa damals eigentlich in dieser Zeit gemacht?“, können sie Ihnen eine Antwort präsentieren. Der hat sich hingesetzt, sich Gedanken gemacht und diese aufgeschrieben. Das tat er nicht im stillen Kämmerlein, sondern er hat versucht es im Internet zu verbreiten. Er hat nichts wirklich dagegen unternommen, aber wenigstens hat er auch nicht mitgemacht. Ich war mein halbes Leben bei der Polizei ein Beobachter, der später vom Gesehenen berichtete. Das ist meine Natur geworden.

Ich ende frei nach dem Zitat von Charles Bukowski: Am Ende sollte man der Menschheit einen Grabstein mit der Inschrift: „Hier ruht die Menschheit, sie hatte von Anfang an nicht das Zeug zum Überleben.“, hinstellen. Ich habe auch eine Vorstellung, wer diesen Stein als letzter aufstellen wird: Ein Chinese.

 

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1 Kommentar zu „In der Politik nichts Neues …“

  1. Gut gebrüllt, Löwe!
    Am besten gefällt mir der letzte Satz. Auch wenn es uns möglicherweise nicht gefällt: Die Chinesen sind neben den Ägyptern die älteste Kultur der Menschheit. Während die Ägypter durch die Römer untergegangen und aufgrund des Islam nicht mehr aufgestanden sind, haben sich die Chinesen immer sehr flexibel in jeder Lebenssituation gezeigt. Dogmen sind für sie nicht dauerhaft bindend. Was zählt, ist der Weg zum Überleben. Nicht das Individuum ist wichtig, sonder Teil des Ganzen. Gerechtigkeit ist nebensächlich aber Stillstand ist der Tod. Ich teile deine Schlussfolgerung zum Zitat von Charles Bukowski, weil ich annehme, dass die Chinesen einen Weg finden werden, letztlich alle temporären Zivilisationserscheinungen zu überleben. Auch – und besonders die Unsere.

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