German way …

Das mächtigste Wort, welches jemals im Gehirn des Menschen erdacht wurde, ist meiner Meinung nach: Warum? Es ist Ausdruck für ein tief sitzendes Bedürfnis des Menschen, der Sache auf den Grund zu gehen. Warum brennt Holz? Warum laufen die Beutetiere diesen Weg entlang? Warum wächst eine Pflanze dort? Dies waren mit die ersten Fragen der Menschheit.
Wir erleben dies heute in einer Entwicklungsphase eines Kindes. Den lieben langen Tag fragen sie uns nach dem «Warum», bis wir eines Tages antworten: «Warum ist die Banane krumm?» Wir wollen nicht alles hinterfragen und wollen auch nicht für alles, was wir tun, eine Begründung abgeben. Oftmals haben wir auch gar keine Antworten. Es besteht auch keinerlei Verpflichtung dazu, jedem unsere Gründe darzulegen.

Für uns selbst sollten wir dazu in der Lage sein, uns eine Begründung für das eigene Handeln zu geben. Entweder es gibt einen vernünftigen Grund oder wir handeln einfach nur zum Spaß. Dieses Verhalten nennen wir vernünftig, alles andere ist unvernünftig. Die Unvernunft kann daraus resultieren, dass wir instinktiv handelten oder uns unseren Gefühlen hingegeben haben. Aber das wäre eine Antwort: Ich habe instinktiv gehandelt. Auf jeden Fall wären wir uns durch die Antwort auf die Frage «Warum?» Unseres Handelns bewusst.

Häufig gegebene Antworten lauten: «Ich habe mich an die Regeln gehalten.», «Ich habe mich an das Gesetz gehalten.», «Ich habe eine Weisung befolgt.». Je mehr Regeln, Gesetze und Weisungen existieren, um so mehr können wir unsere eigene Verantwortung abgeben und die Überlegung nach den Gründen für unsere Handlung vernachlässigen. Am Ende hat niemand mehr eine Verantwortung für irgendetwas. Diejenigen, welche die Regeln erdachten sind längst verstorben oder berufen sich darauf, dass sie die Weisung bekamen eine aufzustellen.

Die Worte verantwortlich und unverantwortlich verlieren ihre Bedeutung und werden von regelkonform und irregulär ersetzt.

Wer verantwortlich und vernünftig leben will, muss die Regel prüfen, bevor er nach ihr handelt. Sie ist eine gedankliche Anregung, mehr aber auch nicht. Nicht alles, was sich ein verwirrter Jurist ausdachte und irgendwie durch die Instanzen gebracht hat, entspricht auch nur ansatzweise der Vernunft. Wir haben tausende schriftlich festgehaltene Regeln, die uralt sind und vor dem Hintergrund eines Zeitgeistes entstanden, der lange Geschichte. Zeitgeist hat nichts mit Vernunft zu tun.
Der Nachteil ist dabei, dass ich im Falle eines Schadens, verantwortlich gemacht werde. Die Menge der Schäden wird abhängig von meiner Fähigkeit sein, eine vernünftige Entscheidung zu treffen. In Deutschland unterstellen wir der Mehrheit, die Unfähigkeit hierzu. Deshalb haben wir unser Leben bis in die Tiefe regulieren lassen.

Hieraus entstehen unzählige Probleme bis hin zu historischen Katastrophen. In der Auswertung sehen wir uns mit ganzen Gesellschaften konfrontiert, die im Chor sagen: Wir haben nur die Regeln und Weisungen befolgt. Ich habe meine eigenen Regeln. Eine davon ist, dass ich fremde Regeln hinterfrage.

Erscheinen sie mir nicht vernünftig und es folgt auf eine Nachfrage hin keine Begründung, die dies ändert, breche ich sie im Zweifelsfall. Zur Einhaltung einer Regel, die diesen Kriterien nicht genügt, muss ich gezwungen werden. Die Zeiten, in denen ich Regeln ohne Fragen einhalte sind vorbei. Wie gesagt, der Umwelt bleiben ja immer noch die Zwangsmittel, um mich zur Räson zu bringen.

Die Mehrheit antwortet auf die Frage: Warum stiehlst Du nicht?, spontan: «Weil es verboten ist!» Das ein anderer hierdurch einen schmerzlichen Verlust erleiden kann, den jeder von uns schon mal verspürte, kommt selten in den Sinn. Das lässt tief blicken. Ich stelle nicht in Abrede, dass es im Gegenzuge Regeln gibt, deren Sinn nicht ansatzweise in Zweifel zu ziehen ist.

Nun mögen einige meinen, dass es eine recht arrogante Position ist, selbst über Sinn und Unsinn, einer Regel zu entscheiden. Dem möchte ich entgegenhalten, dass ich für das Ergebnis meines Handelns so oder so verantwortlich bin. In dem Augenblick, wo ich auf den Rückzug auf die Regelkonformität verzichte, wird das Urteil eines anderen für mich obsolet. Dann kann ich auch von vorneherein meine Maxime anwenden. Ich muss die Folgen meines Handelns mit mir selbst ausmachen.

Mir sind die Überlegungen dazu häufig durch den Kopf gegangen, wenn ich irgendwo las, dass sich Polizisten gefälligst an Recht und Gesetz zu halten haben. Damit die Sache nicht vollkommen aus dem Ruder gerät, führten vernünftige Menschen im Ordnungswidrigkeitengesetz das Opportunitätsprinzip ein. Demnach kann der Polizist es bei geringeren Regelverstößen bei einer Ermahnung belassen. Eine der sinnvollen Regelungen.
Früher sagte ich im Dienst: «Wer alles richtig macht, macht alles falsch!» Wenn sich einer an alle Dienstvorschriften und Geschäftsanweisungen hält, wird er scheitern. Mindestens auf der menschlichen Ebene wird er seine Probleme bekommen. Es ist erschreckt mich beinahe, dass ich diesen Begriff überhaupt kenne. Eigentlich sollte alles auf den Menschen ausgerichtet sein. Ist es das nicht, muss es falsch sein.
Der ständige Druck Regeln einhalten zu müssen und mich bei geringsten Verstößen, vor allem wenn sie menschlich sind, einer Bestrafung, dem Verlust von Reputation oder gar Zuwendungen ausgesetzt zu sehen, hat mich krank werden lassen. Ich denke, ich bin da nicht alleine. Neulich las ich bei Twitter: «In einem System, welches einen krank gemacht hat, kann man nicht gesunden.» Ich bin dem Verfasser dieser Worte sehr dankbar. In einem anderen Zusammenhang las ich die Worte: «Wer sich stets entschuldigt, lebt in einer Welt voller Richter!»
Auch für diese Erkenntnis eines anderen, bin ich dankbar. Beides zusammen gibt mir eine neue Richtung vor. Und damit ich es auch gar nicht vergesse, bekam ich in letzter Zeit immer mal wieder einen Schlag auf den Hinterkopf: «You can do it in the german way, but …!» Diesen Satz habe ich mittlerweile verinnerlicht.

Manches mag nicht funktionieren, wenn es nicht nach «German way!», läuft und jegliche Perfektion wird man nicht finden … aber das ist der menschliche Weg, die Sachen anzugehen. Wenn etwas nicht funktioniert, dann ist das halt so und unter Umständen auch nicht so wichtig.Vieles, was ich derzeit aus Deutschland höre, ist im klassischen Sinne: «German Way!» Spätestens bei meiner Rückkehr werde ich mich damit wieder auseinandersetzen dürfen. Und ich muss mich fragen, wie ich damit umzugehen gedenke. Während ich dies schreibe, stellt mir die Bedienung den dritten Kaffee hin und kommt nicht auf die Idee, die anderen Tassen abzuräumen. Ich glaube, die Mühe wird sie sich erst machen, wenn ich gegangen bin. Der Bartender kommt auch mit Sicherheit nicht auf die Idee, sie dafür zu rügen. Sie lacht herzlich und freut sich. Das ist mehr Wert, als der saubere Tisch.

Wer meinen BLOG verfolgt, kennt meine Einstellung zum Menschen. Ein haarloser Affe, dessen Verhalten zu einer hohen Prozentzahl äffisch ist. Affen spielen ihre Spiele auf dem Affenfelsen. Zumeist aus Langeweile. Jeden Tag, wenn ich mich an den Strand setze um den Sonnenuntergang zu sehen, bestätigen mich die vorbeiziehenden Touristenhorden darin. Bleibt man längere Zeit an einem Ort, wird man irgendwann gezwungen die Spiele der Horde mitzumachen.

Spiele bestehen aus Regeln, Mitspielern und einem Spielverlauf.

Will man nicht zum Mitspieler werden, muss man sich entweder einen abgelegenen Platz suchen oder man zieht weiter. Ich kenne eine ganze Menge Spiele, bei denen ich nicht mehr gewillt bin, sie mitzuspielen. Das wird irgendwann Entscheidungen erfordern. Aber bis dahin ist noch Zeit für viele BLOG Beiträge.

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