Macht Strategien

Ich habe weder Politik, BWL oder Soziologie studiert. Aber in den letzten Jahren, habe ich versucht zu verstehen, wie das mit der Taktik im Hintergrund funktioniert. Bereits nach kurzer Zeit begriff ich, dass es eigentlich wenige Standards sind, die einem nach und nach verstehen lassen, warum und wieso, bestimmte Dinge passieren.

Sun Zi – Die Kunst des Krieges

Ich setze dieses Werk auf Platz 1, weil es schlicht das Älteste ist. Ähnlich wie bei Shakespeare ist nicht ganz geklärt, ob es wirklich nur diesen einen Urheber gibt oder vielmehr Erkenntnisse einer Epoche gesammelt wurden. In mehreren Abschnitten wird abgehandelt, wie ein Krieg gewonnen werden kann oder aufgrund welcher Voraussetzungen, er mit Sicherheit verloren wird. Wann ist die Zeit für einen Rückzug oder einen Angriff. Wie kann ein General den Zustand der feindlichen Armee einschätzen und vieles mehr. Jeder Aspekt der militärischen Taktik wird analysiert. Ein Krieg ist unter dem Strich ein Konflikt, deshalb können die dort formulierten Grundsätze auch mit einer gewissen Abstraktion in einem Disput hilfreich sein. Das Werk wird, obwohl tausende Jahre alt, heute noch in Militärischen Akademien herangezogen. Viele taktische Züge im Golfkrieg sind nach bekunden der Generäle darauf basierend vorgenommen worden. Es ist auch davon auszugehen, dass Mao sich damit auseinandersetzte. Ebenso wie Ho Chi Minh und andere historische Personen.

Sunzi Kunst des Krieges PDF

Arthur Schopenhauer

Wer sich mit Rhetorik beschäftigt, kommt an ihm nicht vorbei. Seine Abhandlungen zur Eristischen Dialektik sind in einer Zeit der Rabulistik und Wählergewinnung Pflichtprogramm. Es geht nicht um eine Wahrheitsfindung, sondern darum aus einer Debatte, als derjenige hervorzugehen, der scheinbar recht hat. In 38 Punkten beschreibt er die notwendigen Kunstgriffe. Nahezu jede Talkshow oder Bundestagsdebatte ist ein Schopenhauer – Bingo.

Schopenhauer 38 Kunstgriffe

Spieletheorie

Spätestens bei den Verhandlungen zum griechischen Rettungsschirm wurde deutlich klar, wie sehr sie bei derartigen Verhandlungen eine Rolle spielt. Das war mit dem Auftauchen des Wirtschaftswissenschaftlers Varoufakis, einer internationalen Ikone der «Spieletheorie» auch nicht anders zu erwarten. Wer sich mit der Spieletheorie und den sich daraus ergebenden Erkenntnissen auseinandersetzt, wird überrascht sein, wie oft sie eine maßgebliche Rolle in den Verhandlungen spielt. Varoufakis überließ nichts dem Zufall und hielt sich klar, bei einer schlechten Ausgangslage, an die Regeln und holte das beste Ergebnis heraus.

Nebenbei sind die Erkenntnisse daraus auch dafür verantwortlich, dass im Gegensatz zu Deutschland, in vielen Ländern die «Tiefpreisgarantie» verboten ist, weil sie zu einem versteckten Kartell führt.

Spieletheorie – Erklärungsseite

 
Harvard – Konzept

Prinzipiell ist es wünschenswert, wenn es in der Politik zur Anwendung kommt. Es gibt ein schönes Einstiegsbeispiel. Zwei Schwestern streiten sich um eine Zitrone. Jede will sie haben. Nach einem längeren Gespräch bekommt die Mutter heraus, dass die eine den Saft für eine Limonade benötigt und die andere die Schale für einen Kuchen. Der Konflikt ist gelöst. Die Verhandlungspartner konzentrieren sich nicht auf die Positionen, sondern darauf wohin die Reise hingehen soll, entwickeln gemeinsam Alternativen und Trennen Menschen von Interessen. Nicht umsonst spricht von Varoufakis in Talkshows von Schäuble als einem sympathischen integren Menschen – saubere Trennung. Letztens machte er mit Christian Lindner nichts anderes.

Das Harvard Konzept

Nebenbei ist die verlinkte Seite immer einen Besuch wert!

 

Saul D. Alinsky

Die berühmteste Studentin von ihm ist Hillary Clinton. Zu Lebzeiten verfasste er das Buch «Rules for Radikals». Brillant und glasklar analysiert er die Taktiken der Mächtigen, und die Möglichkeiten dagegen anzutreten, wenn man bestrebt ist die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse neu zu organisieren. Er stellt in seinem Buch Regeln und Taktiken vor, mit dem insbesondere im Gemeindewesen agiert werden kann. Er spricht auch die Hindernisse auf der Seite der «Widerständler» an. Zentrale Forderungen sind der Umgang mit den realen Verhältnissen und nicht irgendwelchen Wunschvorstellungen, die Erzeugung einer Akzeptanz bei möglichen Verbündeten (geht z.B. bei den Linken in Deutschland ständig schief) und einem konkreten Plan nach der Überwindung der Mächtigen. Alinsky geht beispielsweise auch darauf ein, dass es ein kalkulierter Verteidigungsmechanismus der Machthaber ist, jeglichen Kritiker als Links oder Kommunist zu verorten. So als gäbe gegen die bestehenden Machtverhältnisse, meist im Kapitalismus begründet, ausschließlich einen natürlichen Antagonisten. Das Werk ist schon ein wenig betagt, heute wird in Deutschland zusätzlich «Gutmensch» eingebracht. Hinter der Implementierung solcher Begriffe stecken die Köpfe von Thinktanks und PR Agenturen. Und es funktioniert offensichtlich.

Rules for Radikals – Einführung

Ich habe diese Seite verlinkt, obwohl ich mit den ersten Sätzen nicht anfreunden kann, schon weil Alinsky als Kommunist bezeichnet wird. Ich sehe das nach dem Lesen seines Buchs anders. Wer sich dafür interessiert kommt am Studium des Buchs nicht vorbei.

 

Edward Bernays

„Wenn wir den Mechanismus und die Motive des Gruppendenkens verstehen, wird es möglich sein, die Massen, ohne deren Wissen, nach unserem Willen zu kontrollieren und zu steuern.“

Der Neffe von Sigmund Freud gilt zusammen mit Ivy Lee als der Vater der Public Relation. Er muss ein eiskalter gewissenloser Stratege gewesen. Diverse seiner von ihm – zugegeben genial – durchgeführten Kampagnen, sind mehr als bedenklich. Dennoch ist es wichtig, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Auf der Grundlage seiner Veröffentlichungen funktionieren prinzipiell alle Kampagnen und sind recht sauber zu entschlüsseln. Durch seine Arbeit für die Amerikanische Fruit Company stürzte er sogar eine legitime Regierung. Zu seinem eigenem Erstaunen stellte er einst fest, dass Joseph Goebbels sich bei ihm bedient hatte.

Spätestens, als die AfD eine amerikanische Agentur beauftragte, war klar, was passieren würde.
Ob es nun die großen Verlagshäuser sind, irgendwelche neoliberalen Stiftungen, es sind gigantische und vor allem maximal erfolgreiche PR Kampagnen, mit denen viel Geld verdient wird. Ohne sie geht gar nichts. Selbst vor Soaps oder Schulbüchern wird nicht halt gemacht. Immer wenn ein neuer Slogan oder ein Schlagwort irgendwo eingeführt wird, steckt Kalkül dahinter.

ARTE Dokumentation – Freie Mediathek VIDEO GOLD

 


Nachdem ich mich ausreichend mit diesen sechs genannten Themen, Standards und Personen auseinandersetzte, stellte ich fest, dass alle anderen relevanten, mehr oder weniger abschrieben, umformulierten oder weiter entwickelten. Ich habe hier alle nur kurz angerissen. Eine Lese – und Studienempfehlung für alle, die sich mit dem auseinandersetzen wollen, was um sie herum passiert. Bis auf vielleicht das «Harvard – Konzept» bewegt sich alles jenseits meiner Lebenseinstellung und dem, wie ich mir den Umgang mit Menschen vorstelle – aber das ist ja eine persönliche Entscheidung.

Ganz frei bin ich nicht. Denn ich muss einräumen, das genannte Wissen zusammen mit einigen Sachen aus der «experimentellen Psychologie» in der ein oder anderen beruflichen Nische angewandt zu haben. Aber das war einmal und gehört nicht mehr zu meinem Leben. Mit meinen beschränkten Möglichkeiten werde ich weiterhin dagegen anschreiben, dass bin ich mir aus Gründen selbst schuldig. Dennoch bin ich Realist und kenne die Perfektion, mit der diese Leute agieren. Aber wer weiß, vielleicht stolpert der eine oder andere Jüngere mal über den BLOG und nimmt diesen Beitrag zum Anlass sich mal einzulesen.

Eins werde ich allerdings nie verstehen. Wenn ein Mensch dazu in der Lage ist, sich dieses Wissen anzueignen und umzusetzen, muss doch eines Tages die Frage nach dem «Mehr» auftauchen? Ich sehe ein, dass dieses «Ich hab’s geschafft – ich bin am Schaltpult der Macht angekommen!», eine große Verlockung ist. Dieser ständige Kampf gegen Menschen, die tägliche Jagd nach der kurzfristigen Befriedigung der unsäglichen Gier, jenes dauerhafte böse Spiel mit Menschen und die darin steckende Verachtung für das «normal» lebende Individuum muss doch eines Tages seinen Tribut fordern. Aber die menschliche Psyche ist unergründlich.

 

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