Noch einen Atemzug

Zuckende Blaulichter auf nassen Kopfsteinpflaster. Leises Ticken der Signalleuchten, gedämpfte Funksprüche durch die geschlossenen Türen der Einsatzfahrzeuge. Laute Kommandos von Männern in signalfarbenen Regenjacken.
Graue mit Textil ummantelte Wasserschläuche, die auf der Straße liegen. Menschengruppen aus Leuten, die sich zum Teil gegenseitig in den Arm nehmen. Eine dunkle Häuserfront, die rhythmisch blau erleuchtet wird.
Das Brummen laufender Motoren, dass sonore Summen von Pumpen, zischende Geräusche von Wasser, dass sich mit hohen Druck seinen Weg sucht.
Ein Eingang, mal dunkel, im nächsten Augenblick wieder hell durch einen Handscheinwerfer erleuchtet. Vor dem Eingang ein Polizist in Uniform.
Er weist den Weg nach oben. Feuerwehrleute mit Atemmasken und Sauerstoffflaschen. Ein immer stärker werdender Geruch. Der Geruch eines Aschenbecher, den man mit Wasser aufgefüllt hat.
Noch ein paar Stufen weiter nach oben. Der Geruch verändert sich. Eine Nuance von gebratenen Fleisch, wie Kassler das zu lange im Ofen gelegen hat. Noch mehr entgegenkommende Feuerwehrleute.
Wortfetzen, Anweisungen, Fragen, Antworten.
Ein Treppenabsatz mit drei Wohnungen, die Tür der linken Wohnung eingeschlagen. Handscheinwerfer erleuchten die Tür und den dahinter liegenden Flur. Im Flur noch ein uniformierter Polizist.
Der Geruch ist jetzt stärker, Aschenbecher, Kassler und der penetrante Gestank von gekochten Kot. Scherze, Worte, Fragen, eine Auskunft: Da hinten liegt er! Wasser läuft von den Wänden. Kaum Möbel, eine vom Wasserdampf eingehüllte Lederjacke, Holzboden mit Berliner Rot getüncht.
Hinten eine Tür, halb offen, gerade weit genug zum Durchgehen. Im Raum noch ein Polizist und ein Feuerwehrmann. Der Rest eines Bettgestell, in der Mitte schwarz, verbrannt, verkohlt, nass, eine tiefe schwarze Kuhle. An der Tür eine Leiche. Ein junger Mann.
Er liegt da seltsam gekrümmt, die Unterhose mit Kot beschmutzt. Die Haut an den Füßen verbrannt, rohes Fleisch, Hautfetzen, Blasen. Seine Hand! Seine Hand verkrallt mit der Türklinke. Der Feuerwehrmann spricht. „Rauchvergiftung! Hat im Bett geraucht. War knapp, er hätte es fast geschafft. Nur noch die Türklinke. Wir übergeben dann an Euch.“

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