Wanderung -Skript-

Ich zündete mir ebenfalls eine Zigarette an, nachdem ich bedächtig den Rauch ausgeblasen hatte, lehnte ich mich an meinen Rucksack. „Mich erinnert das an die Geschichte von Tatti. Tatti hatte eine Frau mit vier Kindern kennengelernt und sofort das ganze Programm abgespielt. Ist bei ihr eingezogen, hat auf Papa gemacht und hat sich sogar zum Elternsprecher wählen lassen. Dann ist er eines Tages nach Hause gekommen und hat ge merkt, dass sie nach einem anderen Kerl riecht.“ „Ernsthaft? Das hat er gerochen … das geht?“ „Er kann es wohl. Jedenfalls ist Tatti vollkommen abgeflogen. Stand plötzlich heulend vor meiner Tür und hat ab diesen Tag eine Woche auf meiner Couch gepennt.

Ich war damals noch verheiratet, Du kannst Dir vorstellen, dass meine Frau davon weniger begeistert war. Jedenfalls, irgend wann habe ich ihn mir gegriffen und ihn so richtig böse abgefüllt. Hab ihm klar gemacht … ein mal richtig und dann ist aber auch gut. Du erinnerst Dich vielleicht?“ Ich unterbrach kurz und setzte nach einem Schluck Rum fort: „Das war der Morgen, wo mich meine Frau in der Kneipe anrief und mich anblökte, weil ihr Vater angeblich eine Herzattacke hatte. Worauf hin ich dann in meinem Suff sagte, dass er es jetzt aber übertreibt mit dem Simulieren.“

Ein erneutes Mal dröhnte an diesem Abend das laute Lachen von Herman durch die schon eingetretene Dunkelheit und Stille. „Ja, ich erinnere mich an die Nacht danach … wir waren voll wie die Hupen.“ „OK. Tatti wird jeden falls wieder ausgenüchtert auf der Funkleitstelle stehen und spontan vor Dusty, einer aus meinem alten Team, in Tränen ausbrechen. Dusty macht sich voll die Platte und fragt, ob etwas Schlimmes passiert ist. Tatti erzählt von seiner Tante. Was soll ich Dir sagen. Dusty bekommt aus dem Stand den vollen Wutausbruch. Und erklärt, dass es ja wohl die totale Sauerei wäre, wegen einer Else so einen Aufstand zu machen und er sich schon echt Gedanken ge macht hatte. Tatti`s Gesicht war ein Bild für die Götter. Soviel dazu!“

„Frauen … irgendwann bringen die uns noch um!“ Stellte Herman fest. „Nur die Kaputten. Vielleicht klappt es ja doch noch … äh warte … eher Nein!“ Jetzt lachte ich.„Ach Mensch Alter, ich freue mich wirklich auf die nächsten Tage. Kein Telefon, keine Frauen, ein fach nur mal weg. Diese ganzen Lala`s gehen mir so was von auf die Eier, kannst Du Dir nicht vorstellen. Meinst Du, dass Du mit Deinem Biwaksack klar kommst? Vielleicht hätten wir doch einmal Probeschlafen sollen. Angeblich sollen die Dinger ja alles können.“
Wir beide hatten uns gegen die Benutzung von Zelten entschieden, da wir davon ausgingen, dass es deutlich unauffälliger sei, in schwierigen Gebieten zu Übernachten, wenn wir nur in den Säcken lagen, auch wenn ich die Befürchtung hatte, dass die Tarnfarben unserer gesamten Ausrüstung ein wenig zu Problemen mit Grenzpatrouillen an der spanischen Grenze führen könnten. Unsere Ausstattung sollte uns noch eini gen unfreiwilligen Spaß bereiten.

Außerdem entwickelte sich das The ma Biwaksack, ebenso wie das Thema Rucksackin halt und das erwähnte Etappenbuch zum Running Gag unserer Wanderung. Beim Buch handelte es sich um eine Art Reisefüh rer für den GR10, ge schrieben von einem Wanderer, der minutiös jede einzelne Etappe in diesem Buch beschrieb.

Neben den Wegbeschreibungen hatte er auch immer die Stunden und Mi nuten notiert, die er jeweils für die Strecke gebraucht hatte. An dieser Stelle muss ich mal eine Lanze für ihn brechen. Ich weiß nunmehr, dass Paul Lucia 2007 nach einer letzten Wanderung in den Pyrenäen verstorben ist und er die diese Berge wirklich geliebt hat. Mit welcher Ge schwindigkeit er jedoch diese Touren bewältigt hat, wird mir ewig ein Rätsel bleiben.

Trotzdem war er der Mann, der mir schon in den ersten Tagen meiner Planung die Bergwelt der Py renäen näher gebracht hatte und mich in meinem Ziel bestätig te.

Wir krochen müde in unsere Schlafsäcke, die wir in die Bi waksäcke eingelegt hatten, lauschten jeder für sich noch ein wenig den unge wohnten Geräuschen in dieser für uns noch neuen Wildnis und schlie fen ein.

Am Morgen erwachte ich et was desorientiert. Mein Körper, der sich wie nach einer ziemlich üblen Schlägerei anfühlte, verschaff te mir aber schnell Gewiss heit darüber, dass ich mich offensichtlich auf meiner Wande rung befand.

Da ich im Freien, vorausgesetzt dass ich in der Nacht zuvor nüch tern gewesen war, selten lange schlafe, befand sich die Wiese noch in einem leichten Nebel. In einer halben Stunde würde die Sonne auf gehen. Auch Herman, der sich einige Meter von mir entfernt hinge legt hatte, hob seinen Kopf aus dem Sack empor. „Morgen!“ kam es etwas launisch aus mir hervor.

„Gut geschlafen?“ Herman grinste mich an und steckte sich, wie er es auch an jedem anderen Morgen der Wanderung tat, als erstes eine Zigarette zwischen die Lippen. „Eigentlich schon, aber es gibt hier seltsame Tiere.“ „Tiere?“ „Freundchen, auf der Wiese war heute Nacht ein riesiger Bär unterwegs, es sei denn Du schnarchst wie ein Monster! Wie gut das wir kein gemeinsames Zelt haben … Du wärst jetzt tot!“

Jetzt musste ich schmunzeln und schälte mich aus meinem Nacht lager hervor. In Folge zelebrierten wir so eine Art Indiana Jones Num mer.Ich hatte mir für die Wanderung einen australi schen Oilskin Hut zugelegt. Herman hatte sich für einen Scippi entschieden. Zu zweit saßen wir mit unseren Hüten und freien Oberkörper auf unserem Baumstamm, während wir uns über die letzten frischen Vorräte des Vortages her machten.

In unseren Rucksäcken hatten wir zwar einige Tütensuppen und Outdoorfertiggerichte deponiert, wollten diese uns aber als Notfallra tionen aufsparen. Herman hatte sich den Luxus gegönnt und mehre re Tüten Milchpulver eingepackt, so dass er seinen Kaffee mit Milch trinken konnte.

Der Kerl hätte nie zugegeben, dass er nicht auf seine Milch ver zichten wollte. Die offizielle Begründung seinerseits war, dass man auf einer Wanderung aufpassen müsse, dass man nicht in eine nega tive Energiebilanz kommen würde, da sonst die Muskeln schwinden würden. Ich persönlich hielt und halte das für einen vollkommenen Blödsinn.

Aber wenn man zu zweit wandert, muss man die Eigenartig keiten des anderen aushalten und darauf hoffen, dass er es im Gegenzuge ebenfalls tut. Es ist halt eine sehr spezielle Bezie hung, die man für einige hun dert Kilometer eingeht. Und einge hen ist in diesem Sinne eine sehr passende Vieldeutigkeit.

Viel leicht sollten Paare vor einer Hochzeit zu einer mindestens aus zehn Etappen bestehenden Wanderung ver pflichtet werden.

Gemeinsame Zelte, fehlende Körperhygiene, der Frust über nicht näher kommende Bergkämme, könnte die eine oder an dere Fehlent scheidung in der Partnerwahl offen legen. Nach dem Frühstück folgte der erste von vielen folgenden „Will ich das?“ – Augenblicken der Wanderung. Der Moment, in dem die Riemen des Rucksacks sich mit vollen Gewicht in die Schulter partie einhängen. Jeden Morgen das gleiche Procedere und vor allem der gleiche Schmerz.

Ein leichter Hüpfer um den Bauch gurt zu positionieren, damit das Hauptgewicht auf den Hüften landet, dann der schnelle Griff an die Zurrriemen, mit denen das Gewicht an den Körper gebracht wird. Der Verkäufer des Rucksacks hatte mir gesagt, dass der Schmerz nach ei nigen Ta gen verschwinden würde.

Ich vermute, er gehört der Fraktion Mensch an, die behaup ten, dass beim Joggen Glückshormone ausgeschüttet werden, die einem dazu befähigen, einen Marathon bis zum Ende durch zu laufen … mein Körper scheint diese Hormone jedenfalls nicht beim Laufen zu produzieren. Leider versprach der Himmel über uns nichts Gutes für unseren ersten richtigen Tag.

Das Wetter hatte sich geändert und ein längerer Regen kün digte sich an, der uns tatsächlich unsere gesamte erste Etappe begleiten sollte. Nach der ersten Euphorie stellte sich dann auch die Notwen digkeit der einen oder anderen gedanklichen Durchhalteparole ein. Am ersten Tag bekamen wir es richtig dick.

Unsere Kör per waren noch lange nicht im Rhythmus, so dass der Rucksack eine mehr als unan genehme Last darstellte. Beide schalteten wir den Kopf ab.

Schwei gend liefen wir hintereinander, immer brav abwechselnd auf das Hin terteil des anderen starrend. Wir taten einfach das, was wir jahrelang gelernt hatten, nicht nach denken, still den körperlichen Schmerz verdrängen, ein Bein vor das andere setzen, wir riefen das Programm unserer Ausbil dung ab.

Nach zwölf gelaufenen Kilometern war die Luft raus, die Wa den und die Hüften verkrampften, unsere noch un trainierten Körper rebellierten. Wir fingen an, nach einem neuen Rastplatz Ausschau zu halten. Glücklicher Weise fand sich dieser schnell. Zur Straße hin entdeckten wir eine längere Zufahrt, die auf dem weitläufigen Areal eines alten aber sehr gepflegten Bau ernhauses endete.

Die „Ermittlungen“ ergaben, dass das Haus zu mindes tens aktuell leer stand und den Sicherungen nach zu urteilen, dies mindestens auch noch eine Nacht so bleiben wür de.

Zufrieden stell ten wir fest, dass wir unter einem Vordach ein sicheres Plätzchen ge funden hatten. So dachten wir zumin destens. Eine Taschenlampe in Begleitung eines sehr großen Pyrenäen Berghundes belehrte uns ei nes Besseren. Die Ta schenlampe gehörte zu einem zunächst sehr skeptisch dreinbli ckenden kantigen Bauern.

Nachdem ich mich davon überzeugt hatte, dass der Hund zwar deutliche Ähnlichkeit mit einem bis sigen Schaf hatte, ansonsten aber recht friedlich wirkte, unter nahm ich den Versuch einer besänftigenden Kontaktaufnahme mit dem Eingeborenen.

Dieser war dann doch gar nicht so kantig, wie wir dachten. Eigent lich wollte uns der gute Mann auch nur vor einer viel schlimmeren Er fahrung bewahren. Er erklärte mir, dass wir uns auf dem Hof einer al lein stehenden Prominenten befinden wür den, die vor hatte entweder nachts oder in den frühen Morgen stunden aus dem Urlaub zurück zu kehren.

Leider erfuhren wir nie, wem wir da eigentlich einen Schreck eingejagt hätten. Der Bauer stellte klar, das grundsätzlich das Übernachten in Ord nung wäre, aber so spontan könnte es unter Umständen zu ei ner Un terbrechung der Nachtruhe durch die Polizei führen, und wir dieses in dieser Region von Frankreich nicht erleben woll ten. Als wir uns schon im Dunkeln wieder auf der Landstrasse sahen, bot er uns im Gegen zuge sein Grundstück an, welches sich als noch größer und beque mer erwies. Nachdem wir uns unserer Rucksäcke entledigt hatten und einen großen Teil der nassen Klamotten im Haus des Bauern aufgehängt hatten, setzten wir uns auf die Wiese.

Der Regen hatte eine Pause ge macht, so dass wir uns bequem niederlassen konnten.

Ein wenig schweigsamer erwies sich dann unser Zusammen sitzen aber doch. „Was ist los?“ fragte ich Herman. „Irgendeine Blähung sitzt doch quer.“

Wir sind schon zwei Tage unterwegs und immer noch nicht am GR10, das nervt!“ Kam es zurück. „Ja … und? Dafür waren wir gestern im Naturschutzgebiet Val D‘ Azun, ein absolutes Highlight, immerhin haben an einem Fluß übernachtet. Und heute mussten wir vermutlich für lange Zeit, dass letzte Mal Asphalt treten.“ „Ja, aber nicht der GR10.“ Bockte Herman.

Herman sei nicht sauer, aber für mich geht`s erst einmal um das Wandern und eine schöne Strecke. Auf dem GR10 kommen wir noch früh genug an. Mach jetzt hier nicht die Pussy mit PMS.“

Ich bin da anders. Ich habe mir den GR10 vorgenommen. Habe Dir die Planung überlassen und bin immer noch nicht da.“

Ja, man kann sagen, dass wir in den ersten drei Tagen so unsere Anlauf schwierigkeiten hatten. Spannender Weise zeigte sich diese unter schiedliche Haltung immer wieder und konnte niemals ganz ausge räumt werden.

Ich immer ein wenig von Laissez – faire beseelt, Her man auch immer an einer festen Aufgabenstellung orientiert. Ein Umstand, an den ich auch fünf Jahre später immer wieder den ke. Ein Konflikt, der Menschen vermutlich immer mal wieder begeg net, mal versteckt, mal weniger kaschiert.

Ich beschloss jedenfalls für mich, ihm den Bock nicht alleine zu überlassen. „Wenn Du mir schon die Planung überläßt, dann hättest Du Dich wenigstens mal dafür interessieren können, vielleicht hättest Du dann ja gewusst, dass wir nicht mit der Li mousine vor fahren werden. Aber da Du nur einen Kopf für Deinen Mist angestrengt hast, wird Dir das ent gangen sein!“ Blaffte ich Her man an.

Ich spürte eine ernsthafte Wut in mir aufsteigen, auch mich hatten die Kilometer auf der Landstraße geschlaucht. Beson ders die Waden hatten mir den stundenlangen Anstieg auf der Straße nicht verzie hen.

Herman schob sich seinen Hut in den Nacken und sah mich schon wieder ein wenig besser gelaunt an. Dann formte er die Lippen zu einem Kuss. „Kleiner Du musst jetzt ganz doll stark sein.“ „Ach ja … warum?“

Na weil Du Dich benimmst wie meine Ex-Frau, dann können wir auch gleich heiraten. Du weißt doch, nur wer gefickt wird ist schwul! Ganz alte Knast und Wanderregel!“

Ich starrte kurz in die andere Richtung des Geländes und beruhigte mich wieder. „Also gut … einen Rum drauf, wir neh men den aus meinem Rucksack, dann muss ich morgen weni ger tragen.“ „Geht doch Kleiner, Morgen erreichen wir den GR10? Ja?“ „Ja …! Ich zeig‘ s Dir auf der Karte. Wir müssen hier noch ein paar Kilometer auf der Landstrasse entlang, dann kommen wir an einen großen See, der be reits auf der Strecke liegt und dann geht der GR10 irgendwo in die Botanik. Wir dür fen nur nicht daran vorbei rennen, wird uns aber schwer fallen.“

Wie lange werden wir morgen unterwegs sein? Was denkst Du?“ Fragte der besänftigte Herman. „Wir werden in etwa zwei Stunden auf der Landstraße laufen müssen.“ Mit diesen Worten holte ich das Etappenbuch aus der Hosentasche. „Er schreibt, dass dann ein Auf stieg bis hin zum Bergkamm folgt, da müssen wir hinüber und könn ten das Etappenziel erreichen. Kurz vor dem Kamm befindet sich eine Schutzhütte, die wird eines unser ersten festen Ziele sein. Auf der Karte sind zwei Hütten einge zeichnet. Bei der einen steht die Be zeichnung „Schäfer“, die andere ist eine Schlechtwetterschutzhütte. Für den Aufstieg und das Überqueren brauchen wir fünf Stun den.“ Herman sah nach oben in den dunklen Abendhimmel.

Dann sollten wir uns langsam in die Säcke verziehen, es wird gleich wieder anfan gen zu regnen.“ Er sollte mit seiner Einschätzung recht behalten.

Meine erste Regennacht in einem Biwaksack. Ich will die Fol termethode Waterboarding nicht verniedlichen, erst recht nicht nach dieser Nacht, aber gewisse Parallelen waren für mich her stellbar. Beim Ein schlafen wollte ich vorsorglich den Sack vollständig verschließen, da mit der Regen auf meinem Gesicht mich nicht wecken würde. K

aum hatte ich den Reißverschluss zu, legte sich die dünne at mungsaktive Schutzmembran auf mein Gesicht. Drei, zwei, eins … Panik! Das ging gar nicht. Also musste ich wohl oder übel das Gesicht frei lassen. Dann kam der Regen. Selbstverständlich war ich jetzt wieder wach. Wer denkt sich denn nur so einen Mist aus? Mein nächster Plan bestand dann darin, dass ich mir meine Regenjacke über den Kopf legte. Die se Jacke er wies sich aber als nicht so toll, wie sie mir der Verkäufer ange priesen hatte. Ich dachte kurzfristig darüber nach, ob es sich eventu ell um eine große Familie bestehend aus Fahrkarten schwarzhändlern, Biwaksack- Verkäufern und Regenjackenhänd lern handeln könnte. Nach einer halben Stunde schmiegte sie sich ebefalls perfekt meiner Ge sichtskontur an und das Waterboarding light konnte erneut beginnen. Es hatte alles keinen Sinn, also musste ich wohl oder übel im Schein meiner Taschenlampe größere Bastelarbeiten durchführen. Als Her man wach wurde, bot sich ihm zunächst frafwürdiges Bild. Ich hatte mir aus mei nen beiden Teleskopwanderstöcken, meinem Rucksack und dem Re genponcho für den Rucksack eine Art Kopfzelt gebaut.

Nun sagen wir mal, die Konstruktion sah recht speziell aus, aber sie hatte sich für die letzten drei Stunden Schlaf bewährt.

„Was?“ grunzte ich Herman an. „Na ja, dass sieht ein wenig seltsam aus, wie Du da liegst. Ich habe mich schon gewundert, was Du da hinten mit ten in der Nacht mit der Taschenlampe anstellst.“ „Wie hast Du denn in diesem Ding beim Regen ge schlafen?

Haben sie Euch bei der NVA beigebracht, wie man Regen im Gesicht weg denkt?“ Herman sah mich kopfschüttelnd an. „Nein, aber wir Ossi`s können organisieren!“ „Ja, und?“ Na, ich habe da vorne unter dem Dach beim Holzstapel gepennt!“

Die Schutzhütte, drei Hirten und wir

Nachdem wir uns von unserem Gastgeber verabschiedet hatten, welcher uns sogar noch ein wenig Proviant überließ, ließen wir das Val D‘ Azun endgültig hinter uns. Der kommende Abschnitt würde uns zum ersten Mal ins Gebirge führen. Beim GR10 muss man die Entscheidung treffen, ob man die untere Wanderstrecke durch die Täler nimmt, den mittleren Weg, der den Wanderer über die einzelnen Pässe führt oder für die Alpinisten der Höhenwanderweg. Letzterer kann aber wirklich nur erfahrenen Bergsteigern empfohlen werden. Wir hatten uns für den mittleren Weg entschieden, der uns von Pass zu Pass führen würde. Zwei Stunden nach unserem Aufbruch erreichten wir beide den Lac d`Estaing. Mit dem Erreichen des Sees waren wir endlich mitten auf dem GR10. Am See bekamen wir beide eine erste Vorstellung von der Schönheit dieser Landschaft. Nach einer kurzen Rast am Ufer zwischen den üblichen Wohnmobilen, ließen wir den See zurück, da wir zügig endlich der Zivilisation entkommen wollten.

Eine Stunde später wies uns eine Markierung darauf hin nach rechts die Straße zu verlassen. Hier fanden wir einen Trampelpfad, der durch eine sehr üppige mediterrane Vegetation führte. Meter für Meter gelangten wir bergauf. Die hohen Sträucher um uns herum verhinderten jedoch jeglichen Überblick. Das Klima mutete uns an, als wenn man uns im Dschungel von Laos aus gesetzt hätte. Stetig ronn an der Spitze meines Huts der Schweiß herunter.
Sollte jemand nach Lesen des Buchs die Lust verspüren, den GR10 ebenfalls zu bewandern, kann ich nur empfehlen sich mindestens drei Klimazonen einzustellen. Und das es auch einmal richtig kalt werden kann im Sommer, sollte ich noch bitter erfahren.

Endlich konnte Herman sein GPS – Gerät vorführen. Er hatte sich für viel Geld drei Karten heruntergeladen, auf denen der GR10 verzeichnet war. Das Gerät an sich trug er in einer Art Holster wie eine Waffe an seinem Gürtel. Im Abstand von etwa 1500 Metern griff er an den Gürtel und holte mit einem lauten Klicken, das Gerät hervor um unsere Position zu kontrollieren.

Meistens folgte dann ein an mich gerichtetes: „Wir sind richtig!“ Wo sollten wir auch sonst sein? Es gab hier keine Abzweigungen, jedenfalls keine, die nicht zu einer schlafenden Wildschweinrotte geführt hätten. Plötzlich öffnete sich das Dickicht und wir befanden uns auf einer Art Waldweg.