Wanderung -Skript-

Ich hatte meine Ausbildung zum Mauerfall hin  beendet und war dann mehr oder weniger direkt in eine Verdeckte Tätigkeit übergewechselt. Was sich anfangs wie ein Abenteuer an fühlte, entwickelte sich schnell zu einem Albtraum, der mich mich bis zum heutigen Tage prägte. Damals hatte man mir einen Wahlspruch eingetrichtert: Vertrauen schaffen, aber selbst keines haben. Es folgte eine Zeit in der Sachbearbeitung, die mich in eine tiefe Lebenskrise stürzte. Ich nahm das volle Paket mit. Mobbing, Disziplinarverfahren, Durchsuchung meiner Wohnung und wurde fast vom Dienst suspendiert, mit anderen Worten als junger Familienvater meiner Existenzgrundlage beraubt. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Worte meines Dienststellenleiters. „Fangen sie jetzt nicht an, gegen die Kollegen zu treten, das gibt ein schlechtes Bild ab!“ „Glauben sie etwa, ich weiß etwas?“ „Sie wissen zuviel!“ War die prompte Antwort. Bitte sehr, warum unternahm denn niemand etwas? Am Ende lag ich mit achtundzwanzig Jahren das erste Mal auf dem Tisch, Schlauch im Hintern, Schlauch im Magen, Blut im Stuhl, alles was man so nicht braucht.
Das Mobile Einsatzkommando war in dieser Zeit meine Rettung. Die Kameradschaft, die damals bestehende Wärme untereinander und das Verständnis, anders als die anderen zu sein, rettete mich in dieser Krise. Ein Stück weit, war das Mobile Einsatzkommando zu meiner Familie geworden.

Herman mit seinen vierzig Jahren fünf Jahre jünger als ich, lernte mich erst viel später als Ausbilder kennen. Sein Lehrgang war in zwei Abschnitte unterteilt. Ich hatte den Part übernommen, ihm zusammen mit den anderen Lehrgangsteilnehmern die unauffällige Beobachtung eines Straftäters beizubringen. Der Laie stellt es sich einfach vor, jemanden zu beobachten. Ist es aber ganz und gar nicht. Doch es ist am Ende ganz gut so, dass der normale Mensch nur das eine Auto aus dem Krimi kennt, welches einen ganzen Tag lang dem bösen Buben hinter her fährt.
Es gibt hierfür einen Begriff  „Derrick – Gedenk – Observation“. Es gehört schon eine gehörige Erfahrung und Spezialisierung dazu einen echten Täter, am Ende ein Bein zu stellen. Denn es ist davon auszugehen, dass er alles mögliche tun wird, dieses zu verhindern.
Genau darin bestand und besteht meiner Auffassung nach die Spezialität und nicht im martialischen Auftreten. Dies überließ ich immer gern anderen, die davon mehr Ahnung hatten. Ich persönlich bin in einer Hochhaussiedlung heran gewachsen, ich wusste immer, wann es Sinn macht, sich mit jemanden anzulegen, und wann ich besser eine andere Strategie entwickeln sollte bzw. andere kräftigere vorschieben sollte.