Wanderung -Skript-

Um zehn Uhr am nächsten Tag, rufen sie Dich während der Fahrt an und teilen Dir freundlich mit, dass der Einsatz verschoben wurde. Leckt mich doch. Und warum das alles, weil es alles kein Geld kosten darf.“ Ich hatte mich in Rage geredet.
Die friedliche Umgebung verhinderte, dass ich laut wurde, aber im Wasser spiegelte sich mein Gesicht. Ich konnte sehen, wie mein Gesicht sich zusammenballte. Herman starrte ebenfalls ins Wasser „Vielleicht sind wir beide durch Fackel. Vielleicht sollten wir einfach was anderes machen.“ „Ach ja? Was denn? Ich für meinen Teil hab nichts anderes gelernt. Die Alte will ihr Geld, die Kinder brauchen Geld, die Bank will Geld. Geht Dir doch auch nicht anders, Du bist ja sogar so schlau, dass Du noch ein uneheliches hinterher schickst!“
Her man seufzte. „Wer kann denn ahnen, dass man da auch schwanger werden kann.“ Es war die gleiche Strategie wie immer. Gegen Probleme half am ehesten Sarkasmus. „Wenn Du das nächste mal kein Kleingeld für einen Präser hast, ruf mich einfach an Du Gehirn.“ „Ich muss jetzt erst einmal eine andere Dienststelle suchen.“

„Herman? Was hast Du wieder angestellt?“ fragte ich etwas er staunt, denn diese Information war mir tatsächlich neu. Ich wusste sehr viel über Herman, aber vieles auch nicht. Eigentlich wusste ich gar nichts. Herman hatte das Talent mit seiner tiefen Stimme, Gestik und Wortwahl eine ganze Kneipe zu unterhalten. Aber er sprach nur von Einsätzen, Geschehnissen der Vergangenheit. Mehr oder weniger lustige Gegebenheiten, die normalen Menschen bisweilen die Sprache verschlugen oder wenigstens für sie ein paar Fragen aufkommen ließen.

So kannte ich zum Beispiel einen Bericht, in dem stand: – Im Rahmen der Rockerstreife kam es anlässlich einer Kontrolle des polizeilich hinreichend bekannt Ronny R. Zu einer Widerstandshandlung.- Unerwähnt blieb, dass Herman einen der Kuttenträger mit „Ey, Du Pimmel!“ angesprochen hatte, und in diesem Zuge auch ein Plakat für eine Tattoo Konvention, gestaltet in den Farben des Clubs, abgerissen hatte. Herman erzählte von solchen  Geschichten gern und ausschweifend.
Er verhinderte so erfolgreich Fragen, die er selten gern beantwortete. Kaum einer wusste, wo Herman aufgewachsen war. Keiner wusste von seinem Vorleben in der DDR, geschweige denn, dass er gelernter Elektriker war. Noch schwieriger wurde es, wenn es an sein Seelenleben ging. Herman wurde irgendwann mal in seinem Leben von einer Frau sein Herz gebrochen.