Wanderung -Skript-

Er wäre nie bereit gewesen, dies zuzugeben, aber in allen Gesprächen über Frauen, spürte ich das. Seit dieser Zeit hatte er sich vorgenommen, der Welt den Beweis zu liefern, dass es weder Liebe noch Treue gibt. So entwickelten sich insbesondere Ehefrauen zu seiner bevorzugten Beute. Ich erahnte, dass ihm genau dieses mal wieder auf die Füße gefallen war.
In bestimmten Sachen unterschieden wir uns alle nicht. Wir definierten uns seit Jahren über unseren Beruf. Idealisten, die ihre Anerkennung, genau aus eben den Dingen holten, die wir so taten. Immer wenn es in Berlin brannte waren wir dabei. Irgendwann wurde uns diese Anerkennung verwehrt. Das ging Herman so, dass ging mir so und vielen anderen die wir so kannten. Der eine suchte sein Heil in der einen Frau, und war dankbar wenn er eine fand, die ihn auf den Arm nahm, gab alles was er nur so auf einmal gerade so geben konnte.Dann musste er aber feststellen, dass oft diese Frauen nur auf solche jagdwunden Männer gewartet hatten. Oftmals waren es Frauen, die gern ihre eigenen Probleme damit lösten, dass sie einem anderen die Verantwortung dafür gaben. Und genau da trafen sie den Kern. Verantwortung übernehmen brachte Ehre, aber leider nur vorübergehend. Viele Männer verfielen in Depressionen oder schlimmer noch, fingen an die Frauen zu stalken, wenn diese genug von ihnen hatten. Beides war schrecklich von außen her zu beobachten. Es tat einem in der Seele weh, wenn diese ehemaligen harten Jungens sich in sabbernde Lappen verwandelten.

Anderen flüchteten sich in die Promiskuität, um sich dann halt über die Anzahl der Frauen die Bestätigung zu holen. Her man hatte sich instinktiv für letzteren Weg entschieden. Herman rollte sich eine Zigarette. „Du kennst Poller?“ „Wenn Du den aufstrebenden Teamführer mit begrenzten Möglichkeiten meinst? Ja!“
„Kennst Du auch seine Frau?“ „Sagen wir mal so, ich hörte von Ihr.“ Dies war dann doch mal wieder der Zeitpunkt für Her man‘ s dröhnendes Lachen. „Was soll`s, ich habe sie jedenfalls gevögelt.“ „Da bist Du glaube ich nicht der erste.“ warf ich ein. „Mag sein, aber vermutlich der erste, dessen Video davon auf ihrem Handy gefunden wurde.“ „Das ist jetzt nicht Dein ernst?“ Herman rollte mit den Augen und machte eine mehr als bestätigende Geste mit seinen Händen. „Na ja, in Folge dessen kam es zu einem Gespräch mit dem Alten, ich solle mir doch vielleicht etwas anderes suchen, da der Dienstfrieden nachhaltig gestört sein könnte.“ „Was hast Du gesagt?“ „Ich habe gesagt, dass ich das grundsätzlich einsehe, aber jetzt auch nicht so ganz verstehe, ich meine die Tante ist ja kein Stück Seife, was sich abnutzt. Und wenn alle gehen, die diese Seife benutzt haben, es ganz schön leer werden könnte. Was soll ich sagen … Ich brauche irgendeine gute Idee.“